Sonntag, 30. November 2008

mal gucken


Beim Konzert, die Hände in den Hosentaschen, finde ich in einer solchen einen Zettel. Er hat keine Bedeutung mehr und ich zerreiße ihn und lasse die Schnipsel auf den Boden rieseln, weil ich weiß, dass dort schon eine Menge Pappbecher liegen, die es zu beseitigen gilt, dass der ganze Saal geputzt werden wird, so dass meine Schnipsel nicht weiter auffallen. Oder doch?

Ich erinnere mich daran, wie auf einem Konzert vor ganz langer Zeit, in einer größeren Halle, mal eine Freundin etwas verlor, das ihr wichtig war. Wir haben gewartet bis fast alle gegangen waren und den Boden der Halle abgesucht. Kleine Geschichten offenbarten sich. Wir fanden Anhänger, Haargummis, abgerissene Karten zuhauf, Zettel mit Telefonnummern, die nicht wie erhofft angerufen werden würden, Königskinder die nicht zusammenfanden, Kaugummis gekaut und ungekaut, Plastikbecher, durchgeschwitzte T-Shirts und Höschen, die nicht auf der Bühne gelandet waren, sondern auf denen nun mehrere Fußabdrücke prangten. Wir fanden nicht, was meine Freundin verloren hatte.
Aber ich erinnere mich daran und bekomme Lust, heute nach dem Konzert etwas länger zu bleiben.

Donnerstag, 27. November 2008

Dummbatz


Heute morgen auf youfm in der (ich verzichte hier auf ein Adjektiv) Rob Green Morning Show:
Ein Zeuge vor Ort berichtet sehr bestürzt telefonisch aus Mumbai, wo er in seinem abgedunkelten Hotel sitzt, von dem aus er beobachten kann, wie auf der Straße die Terroristen vorbeirennen und auf Menschen schießen. Seine Stimme zittert ein wenig und wird nur fester als er sich erzürnt, dass seit Stunden die deutsche Botschaft nicht zu erreichen wäre und dass man bisher hilflos sich selbst überlassen sei.
Da wird er jäh von Rob Green unterbrochen:
"So, wir reden gleich weiter mit Dir darüber, dass Du Terroristen gesehen hast. Aber jetzt kommt erstmal Amy MacDonald mit This is the life."

Ja, ich bin selbst schuld. Die Wahl des Radiosenders liegt ja bei einem selbst....

Sonntag, 23. November 2008

Talk Talk Hust Hust


Die Wissenschaft streitet sich noch immer darüber, ob Frauen wirklich mehr Wörter pro Tag von sich geben als Männer. Seit eine Neuropsychaterin den Mythos "Ein Mann ein Wort - eine Frau ein Wörterbuch" in ihrem
Buch untermauert hat, gab es mehrere Studien zu diesem Thema.
Die meisten ergaben zwar nicht das Gegenteil, aber auch keinen signifikanten Unterschied zwischen Männlein und Weiblein, der für eine biologische Vorbestimmtheit des Quasselbedürfnisses spricht (im wahrsten Sinne des Wortes).


Daher weiß ich nun nicht, ob ein Mann, der eine Woche lang krank zuhause ist, denselben Schalter hat, der bei mir umgelegt wurde, als ich nach tagelanger Zurückgezogenheit ein Defizit von etwa 75.000* ausgespuckten Wörtern hatte und bei einem kurzen Ausgang, der der Lebensmittelversorgung diente, einen Freund, der um die Ecke wohnt, traf.
Bei mir wurde jedenfalls ein Schalter umgelegt, der verschiedenste Themen von Vogelbeeren über Geburt zu Musik in mir freisetzte und in zahlreiche Worte verpackt zur Produktion freigab. Das ganze dauerte nur wenige Minuten - bis mein Freund, der wohl schon von mir unbemerkt eine Weile auf der Stelle trat, mich mit einem "Du, ich hab's eilig" mutig (trotz Ansteckungsgefahr) herzlich drückte und verließ.

Da überhaupt bemerkte ich erst das Quassel-Defizit. Wieder in den eigenen vier Wänden und vorm eigenen Spiegel bemerkte ich dann auch die Mohnrückstände des auf dem Heimweg verzehrten Mohnbrötchens zwischen meinen Zähnen, mit denen ich meinen Freund angestrahlt hatte und denen er hoffentlich ebenso wenig Beachtung geschenkt hat wie meine Bazillen.

Kurz nach diesem Zwischenfall kam ich in das Stadium in dem man wunderbar Lieder von Tom Waits oder Janis Joplin singen könnte, bevor ich dann meine
Stimme vollends verlor.
Das
Defizit mußte also noch ein paar Tage länger aufrecht erhalten werden. Hoffentlich muss ich das nicht alles nachholen, das könnte für mir nahestehende Menschen sonst noch hart werden....


*Hochrechnung anhand wissenschaftlicher Studienergebnisse

Samstag, 15. November 2008

Aus der Reihe "Etymologische Fragezeichen" (2)


Die Holländer mal wieder...

Dass ich die Holländer für ihre klare Sprache lobe, kommt ja nicht selten vor.
Manchmal allerdings bleibt einiges unbeantwortet.

"Ohrring" etwa heißt im Niederländischen "oorbel", wobei "oor" natürlich "Ohr" bedeutet und "bel" eigentlich "Glocke".
Das hat wieder mal eine unbestechliche Logik. Auch bei uns (zumindest in Hessen) sagt manch einer durchaus "Gebimmel am Ohr" oder "Gebammel am Ohr" zu Ohrschmuck.

Und was heißt "oorlog" übersetzt? Wenn man weiß, dass im Niederländischen das g nach einem Vokal wie "ch" ausgesprochen wird, liegt es nahe, "oorlog" mit "Ohrloch" zu übersetzen.
Aber nein. Das wäre zu einfach gewesen, selbst für die Holländer.
"Oorlog" ist nämlich das Wort für Krieg. Vielleicht bin ich gerade unkreativ oder stehe aufm Schlauch, aber beim besten Willen: Den Zusammenhang krieg, äh, bekomme ich nicht zusammen. Nein: Der Zusammenhang fehlt mir, bzw. das bekomme ich nicht zusammen.

Und was heißt nun eigentlich tatsächlich "Ohrloch"?
Da machen es sich die Holländer ausnahmsweise mal etwas umständlich. Es heißt "het gaatje in het oor". Also, das Löchlein im Ohr.
Aber Vorsicht! Vertun Sie sich da nicht, weil das Ohr am Kopf ist und sagen aus Versehen "het gaatje in het hoofd". Das heißt übersetzt nämlich "Löchlein im Kopf" und bedeutet so viel wie "sie nicht alle beieinander haben".

Hach, Sprache ist ein Faß ohne Boden (een bodemloze put).

Donnerstag, 13. November 2008

wow, äh wau


In diesem Spiel geht es darum, Straßen zu kaufen, in denen man dann Gassi gehen kann. Aber Vorsicht, man kann auch im Zwinger landen.

Es gibt die
die Sonderfelder
Gemeinschafts- und Ereignisfeld (Napf-Sharing und Hundekuchen-Backkurs)
Los (hol's Stöckchen!)
Frei Parken (und Poo machen)
Hunde- und Zusatzsteuer.


Vermute ich mal.
Ich konnte leider nicht reinschauen, das Spiel lag im Schaufenster eines der zahlreichen Hundesalons in New York City.


Mittwoch, 12. November 2008

Alles Gute, Vicco!


Melusine
Krawehl! Krawehl!
Taubtrüber Ginst am Musenhain
Trübtauber Hain am Musenginst
Krawehl! Krawehl!

(Loriot *12.11.1923)

Montag, 10. November 2008

Krack-Plage


Hätte ich eine Top-Ten oder Flop-Ten der schlimmsten Radioreklame-Spots des deutschen Radios, wäre Platz eins so sicher, nein sicherer, wie das Amen in der Kirche. Ich habe solch ein Top-Flop-Ten nicht, weil es eigentlich keine Ten gibt. Radiowerbung ist nie toll - Segmüller und Seitenbacher (ohne jetzt speziell die Bayern anzugreifen... obwohl...) können brutal nerven. Aber unschlagbar und mit Abstand weit weg von den Plätzen 2-10 ist nun mal "Carglass repariert - Carglass tauscht aus."

Dieser Radiospot ist nicht nur aufgrund seiner Länge, dieses ewigen Lamentierens um Krack und Vorher und Später und überhaupt, und des widerlichen Jingles eine Zumutung, sondern besonders wegen des dermaßen laienhaft dargestellten Laientums, der mißlungenen Natürlichkeit und Einfachheit in der Sprache und Betonung - ach, es ist grauenhaft und bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Der Spot hat nur ein Gutes und das auch nur für die Konkurrenz: Er läßt Radioreklame von vergleichbarem Inhalt als extrem pfiffig und humorvoll erscheinen, dass man eigentlich fast nur aufgrund von Carglass zu Volkswagen sagen kann: Chapeau!

"Hallo Stein!"
"Hallo Frontscheibe!"
"Was machst Du denn hier?"
"Ach, ich dachte, ich komm mal auf nen Sprung vorbei."
"Na dann: Schlag ein!"
(Krack)

Sooo einfach kann das sein, Carglass. Und nun räumt bitte das Radiofeld.

Donnerstag, 6. November 2008

Frischluftgedanken I

Gestern beim Laufen im Park, es war schon dunkel, bin ich fast auf einen Igel getreten, der gerade den Weg überquerte. Ich sah ihn plötzlich auf seinen kleinen Tappelfüßchen vor mir entlanggleiten wie auf Schienen und ich konnte gerade noch bremsen. Ich blieb also stehen und sah auf ihn runter, da er nun zusammegerollt vor mir kauerte. Ein Jogger, der mir gerade entgegen kam, blieb ebenfalls stehen, sah runter und keuchte verzückt: "Ein Igel, oder?"
Und ich gab ebenso verzückt zurück: "Jaaa!"
"Süüüß." sagte der Jogger.
"Hoffentlich ist er schnell genug." sagte ich.
Wir lachten beide etwas verlegen und liefen weiter, jeder in seiner Richtung.

Während der nächsten Runden, die ich noch drehte, gingen mir folgende Fragen durch den Kopf:

1) Wußte der Jogger was ich mit meinem letzten Satz meinte? Ich denke nicht, dazu fehlte die Erläuterung. Nämlich folgende: Dass es ja immer so ein paar Joggergrüppchen gibt, die gerne zu dritt oder viert nebeneinander laufen. Mal angenommen, ich wäre nun so ein Joggergrüppchen gewesen, ich hätte vielleicht nicht drei- oder viermal rechtzeitig gebremst oder hätte vor lauter Schnattern mit mir selbst das süße kleine Igelchen gar nicht bemerkt. Weil ich aber keine Erläuterung gegeben hatte, fragte ich mich nun, ob der Jogger sich seinerseits nun fragte, was ich da Komisches geredet hatte. Ob ich vielleicht gemeint hatte, dass man eine gewisse Schnelligkeit vorweisen muss, um sich in dem Park überhaupt bewegen zu dürfen etwa.

Was einem beim Laufen, wenn das Gehirn durchgepustet wird, eben so durch den Kopf geht.... Eine weitere Frage, die mich beschäftigte, war:

2) Kann man so einen Igel zertreten? Ich meine, man sieht manchmal plattgefahrene Igel auf der Straße, aber ich wiege ja nun nicht so viel wie ein Auto, glücklicherweise, und ich fragte mich, ob ich den Igel - vorausgesetzt ich hätte nicht gebremst - unter mir zermalmt hätte oder ob er vielleicht "nur" in einem meiner neuen Laufschuhe stecken geblieben wäre und dann herzzerreißend gequiekt hätte. Vielleicht wäre er auch in einem meiner neuen Laufschuhe stecken geblieben wäre und ich hätte herzzerreißend gequiekt. Keine Ahnung wie robust solche Stacheln sind und wo die sich überall durchbohren können.

Ich befürchte allerdings, dass ich das arme Vieh eher zermalmt hätte. Hoffentlich hat er sich ins Laub gekuschelt und ist den fiesen Joggergrüppchen entkommen.

Mittwoch, 5. November 2008

yes we can...


... finally forget again about this dumb alaskan governor.

Sarah who?

Dienstag, 4. November 2008

Barts bärtiger Baba



Großzügig überlassen von Saschomat, Aufnahme aus dem Comic-Museum Brüssel.

Samstag, 1. November 2008

Ein Prosit


Das Bedürfnis im Restaurant nicht mit dem Rücken zum offenen Raum sondern lieber zur Wand zu sitzen, wird gerne etwa folgendermaßen interpretiert:


- Als Angstneurose, aufgrund derer man befürchtet hinterrücks was auch immer zu werden und deshalb alles im Blick haben muss
- Als Auswuchs des natürlichen Beuteverhaltens, bei dem man anwesende Hungrige im Auge behalten muss, während man sein Essen verschlingt
- Als weibliche Neugier aufgrund derer man Augenzeuge von jeglichem Geschehen im Raum sein muss

Ich teile das Bedürfnis im Restaurant lieber mit dem Rücken zur Wand zu sitzen mit einer Menge Menschen. Die Beweggründe mögen verscheiden sein und bei vielen mag eine der oben genannten Interpretationen zutreffen. Ich teile mit diesen Menschen wahrscheinlich auch den regelmäßigen Spott, den dieses Bedürfnis hervorruft.

Heute möchte ich meinen persönlichen Beweggrund erläutern und wissenschaftlich fundieren. Jaahaaa. Das heißt nicht, dass ihn anschließend jeder wird nachvollziehen können, denn zu dem Beweggrund gibt es unterschiedliche Auffassungen. Er lautet schlicht: Gemütlichkeit.

Auch der Gemütlichkeit wurde sich nun endlich ernsthaft angenommen. Und zwar von Dr. Riklef Rambow. Wen das Thema interessiert, der kann bei ihm sogar ein gemütliches Seminar besuchen.

Früher, um 1790, als das Wort von keinem anderen als Goethe in die Schriftsprache eingeführt wurde, war Gemütlichkeit schlicht ein Wohlfühlbegriff. Heute ist er ein genau kalkuliertes Kriterium bei Architektur und Einrichtung und eine Frage des Geschmacks. Während ehemals Gemütlichkeit generell als kleinbürgerlich galt und durch Biedermeierwohnungen verkörpert wurde, kann man inzwischen genau solche als ungemütlich und eine IKEA-Schlichtheit als gemütlich bezeichnen. Geschmackssache. Der Begriff ist weiter geworden und impliziert vor allem eines: Vertrautheit. Den eigenen, geschützten Raum ohne Fremdartigkeit.

Im Grunde genommen ist ausschlaggebend, wie viel es braucht, um sich vertraut zu fühlen. Dem einen kann die eigene Wohnung durch akustische Einflussnahem des Nachbarn verdorben werden und der andere kann im Erdgeschoss ohne Gardinen auf dem Präsentierteller leben und scheut diese Vertrautheit mit den Menschen auf der Straße vor seinem Fenster nicht. Vertrautheit ist eben auch Gewöhnung.
Moment mal, das heißt, ich muss nur vertrauter mit meinem Nachbarn werden um zur vollkommenen Gemütlichkeit zurück zu finden.....hm.

Mein Beweggrund im Restaurant gerne zum offenen Raum hin zu sitzen, oder noch besser: in einem gemütlichen Eck, setzt sich aus allen oben genannten Gründen zusammen, aus Schutz- und Kontrollbedürfnissen, lässt sich aber auch kurz als „Verlangen nach Gemütlichkeit“ beschreiben.

Glücklicherweise ist Gemütlichkeit ja für jeden etwas anderes, so dass ich hoffe, auch in Zukunft mit Leuten ins Restaurant gehen zu können, die es nicht ungemütlich finden, den Rücken dem Raum zuzuwenden und die mir gern den Platz an der Wand überlassen. Ich bin dafür immer dankbar. Und ich sehe dann auch, wenn’s denn sein muss, über einen dummen Spruch hinweg. Hauptsache wir haben es alle schön gemütlich.