Dienstag, 31. März 2009

es geht bergab


Auf dem kurzen Rückflug von Brüssel erfolgt nach Hälfte der angegebenen Flugzeit eine Durchsage:
"Guten Abend, hier spricht der Erster Offizier, ich darf Sie heute abend nach Frankfurt fliegen."
Ah, Papa Kapitän läßt heute also mal den Co-Piloten ran.
"Wie Sie sicher schon bemerkt haben, geht es in riesigen Schritten bergab."
??
Ich hoffe, er spricht von der Wirtschaftskrise und nicht vom Flug. Beides schlechte Nachrichten, aber erstere nun mal nicht neu.
"Äh... ich meine natürlich nicht, dass es bergab geht... also, äh..."
Das nervöse Schweigen und Zögern ist hoffentlich nur auf die mißlungene Formulierung zurückzuführen und nicht darauf, dass nun eine Hiobsbotschaft folgt.
"Also, wir befinden uns bereits im Landeanflug und nähern uns dem Ziel in rasanten Schritten."
Ich stürze meinen Wein runter, aber nicht etwa vor Schreck, sondern weil bereits die Becher eingesammelt werden.

Nochmal davongekommen.
Und die Moral von der Geschicht:
Bergab in großen Schritten, geht es mit den guten Sitten.


Freitag, 27. März 2009

So ein Käse


"Der Andechser Demeter Mondscheinkäse aus Demeter-Milch wird ausschließlich an
Licht-Blütetagen und an Wärme-Fruchttagen nach Maria Thuns Aussaatkalender gekäst. Der Andechser Mondscheinkäse kommt beim Käsungsprozess in ein Bad aus Meersalz, das energetisiert wurde. Beim Reifungsprozess wird für den Kulturenansatz der Reifekulturen Wasser der St. Leonhards Aqua Luna Quellen verwendet. Die mystische Kraft des Mondes ist in der Aqua Luna Vollmondabfüllung eingefangen. Die Vollmondabfüllung wird ausschließlich am Vollmondtag abgefüllt."

Was für mich und (hoffentlich) auch Euch wie ein Scherz klingt, wird ganz ernsthaft im "Basic Bio" für teuer Geld feilgeboten. Wenn 80g nicht um die 5 Euro gekostet hätten, so gebe ich zu, hätte ich den Käse schon rein aus Versuchszwecken gekauft. Um zu sehen, ob ich den Vollmond und die Aqua Luna Quellen rausschmecke.

Eigentlich suchte ich einen veganen Käse, also eigentlich Käseersatz, um einem sich vegan ernährenden Freund eine vegane Pizza machen zu können. Daher führte mein Weg mich in diesen unsäglichen Laden, wo man "Ayurvedisches Zaubersalz" und "Mondscheinkäse" erstehen kann und studierte das Käseregal, nur um mich dann bei dem Rest der Kundschaft unbeliebt zu machen, weil ich in spontanes Gelächter ausbrach.

Aber der Rest der Kundschaft wußte - ganz ehrlich - sowieso nicht wie man lacht. Ein Mann zog nicht nur seine Kreise durch den Laden, sondern auch permanent seinen Rotz geräuschvoll hoch, als sei es eine Sünde, ein Tempo zu benutzen. Nun, vielleicht schneuzt er nur in Leinentücher und hatte gerade keins dabei.

Eine Frau ließ ihr Kind ganz antiautoritär überall im Laden rumstehen, so dass nicht nur das Kind ständig über alle Regale hinweg "Mama" brüllte, sondern die Mutter dann auch zurück "Ich bin hier", immer wieder und so lange, bis das Kind sie wieder gefunden hatte. Kurz darauf entfernten sie sich dann wieder voneinander, so dass das Spiel von vorne begann.

Als ich vor dem Teeregal stand und die Tees begutachtete, kam eine Frau und stellte sich ganz genau vor mich. Aber nicht etwa mit dem Rücken zu mir, um auch die Tees zu begutachten, wie man das öfter bei unachtsamen Menschen erlebt, sondern frontal zu mir und dem Regal hinter mir. Als ob sie nicht von 10cm weiter neben mir sehen könnte, was in dem Regal stünde oder als ob sie mich nicht bitten könnte, einen Schritt zur Seite zu gehen. Es ist nicht nur sehr befremdlich, wenn sich eine Fremde so nah frontal vor einen stellt, es ist auch dämlich, da die Person in der eingenommenen Position ja dann genauso wenig vom Wunschregal sieht wie man selbst. Mir entfuhr ein fragendes "Äh?", aber die Frau blieb reglos stehen und starrte durch mich durch. Sie mußte das wohl tatsächlich können.

Ich fühlte mich unwohl in dem Laden, taufte ihn um in "Basic Bekloppt" und verließ ihn schnellstmöglich.

Freitag, 20. März 2009

Oh Schande


Aus der Angst heraus, sich bei, nein mit der eigenen Lesung zum Affen zu machen, entstand, in der Absicht, sich selbst die Angst vor der Angst zu nehmen, ein Nachdenken darüber, ob man das nicht schon längst auf schlimmere Weise mal getan hat - sich zum Affen.
Denn wenn einem eine Gelegenheit einfällt, bei der man sich recht lächerlich gemacht hat und einem dann klar wird, dass man auch das überlebt hat, so kann man vielleicht mit einer Aura des Unkaputtbaren in die nächste Gelegenheit, sich zum Affen zu machen tappen.
Vielleicht hört man dann während des Vorlesens im Hinterkopf „I will survive“, während die anderen wiederum einem selbst zuhören oder zumindest so tun, während sie vielleicht ebenfalls „I will survive (this lesung)" im Hinterkopf haben.

Wie dem auch sei, ich überlege also, wann ich mich schon einmal zum Affen gemacht habe und erstmal will mir nichts einfallen. Liegt sicher an einer falschen Selbstwahrnehmung. Ich bin sicher es gibt ein paar Leute, die jetzt innerlich aufschreien: „Was? Da fällt mir aber einiges ein!“
Zwecks Abhärtung sollte ich ihr Gedächtnis nutzen und mich erinnern lassen. Aber so weit bin ich noch nicht. Ich fang mal klein an.
Einmal bin ich beim Verlassen einer Bar, deren Front ganz aus Glas war, mit der Stirn voran gegen die Glastür gelaufen, die ich offen zu sein glaubte. Die Bar war klein, jeder bekam es mit und mich durchfuhr eine Mischung aus Scham, Schmerz und Wut darüber, dass da nicht diese tollen schwarzen Vögel auf der Tür klebten, die man auch in Schwimmbädern immer bewundern kann. In dieser Wunde wurde nachträglich nochmal gebohrt, als ich eine paar Tage später den Wirt der Bar traf und er mir hämisch grinsend eröffnete, dass man noch den Fettfleck auf der Glastür sehen könnte, einen fatty forehead print sozusagen.

Dieses Beispiel scheint mir jedoch nicht geeignet zu sein im Vergleich. Schusseligkeit ist was anderes als Blamage. Wenn ich weiter darüber nachdenke, welche Blamage ich mir mal geleistet habe, so fällt mir eine Szene ein, die sich erst kürzlich auf einer Geburtstagsfeier zutrug, deren Gäste ich erst am selbigen Abend kennenlernte. Ich saß mit ein paar dieser Gäste beisammen und wir unterhielten uns über dies und das, aber purzelten schließlich doch in ein plötzliches Schweigen. Da ich gelegentlich unter "Logorrhoe" leide, also unter ungebremsten Rededurchfall, wie der Kabarettist Werner Schneyder das „Plappern weil man kein Schweigen ertragen kann“ umschreibt, plauderte ich munter drauf los.
Was genau ich erzählte und wie ich auf das Thema kam, weiß ich nicht mehr genau, aber ich endete mit dem Bekenntnis, dass ich langjährige und leidenschaftliche Sammlerin von Bechertassen bin. All die Anmerkungen die ich hierzu noch machen konnte, wie die, dass es sich mal so ergeben hat, dass etwa meine Schwester mir aus jedem Urlaub von überallher eine Tasse mitbrachte, was ich bald nicht mehr missen wollte, oder dass ich von vielen verschiedenen Leuten eine Tasse erhalten habe, an die ich gerne denke, wenn ich Tee trinke, und dass ich nun mal sehr viel Tee trinke und bestimmt 60 Bechertassen habe, die ich inzwischen nicht mehr recht unterzubringen weiß – all diese Anmerkungen konnten das peinlich berührte, (Weiter-)Schweigen der Gäste nicht brechen, im Gegenteil. Es wurde nun noch mit verständnislosen Blicken untermalt. Schließlich entschuldigte ich mich aus der Runde, um mir noch ein Stück Kuchen aus der Küche zu holen.

Nun, keine wirkliche Blamage vielleicht, meine ich, die ich ja ohnehin meine Bechertassen nie verleugnen würde, aber ein peinlicher Moment. Wahrscheinlich vor allem für meinen Freund, dessen Bekannte es waren.

Viel Schlimmeres ist mir bisher tatsächlich noch nie passiert (klopf auf Holz). Vielleicht wird die Lesung also mein künftiger Maßstab...
Nein, sicher ist mir schon Schlimmeres als das Erwähnte passiert, aber das habe ich entweder erfolgreich verdrängt oder würde es hier nicht erzählen.

Es ist ein Vorteil, dass man so was für sich behalten kann - den man jedoch nicht hat, wenn man sich vor laufenden Kameras blamiert. So hat eine ehemalige Schulkameradin von mir mal bei der TV-Sendung „Ruck-Zuck“ mitgemacht, bei der man in 10 Sekunden zu einem Begriff möglichst viele Assoziationen raushauen musste. Zu dem Begriff „Goethe“ rief sie „Wolfgang Amadeus“ in die Kamera - und war damit am nächsten Tag Schulgespräch, bzw. Schulschande.

Übertroffen wird diese Blamage noch von einer Bekannten, die zu einer Kontrolle bei ihrem Gynäkologen war, da sie eine Erkrankung vermutete. Als er ihr versicherte, dass alles in Ordnung sei, wollte sie erleichtert sagen, dass sie eben eine kleine Hypochonderin sei. Erst viel später, als sie die Praxis längst verlassen hatte und sich noch einmal wunderte, warum der Arzt auf ihre Bemerkung so seltsam reagiert hatte, fiel ihr auf, was sie versehentlich tatsächlich gesagt hatte: „Naja, ich bin eben eine kleine Nymphomanin.“

Nun, wie man merkt habe ich die Strategie der Entangstung geändert zu "Sich ausmalen, was andere schon verbockt haben, damit man sich selbst nach dem Reinfall in guter Gesellschaft wähnt". Wenn ihr mir noch ein wenig helfen wollt, dann öffnet doch bitte nicht die Tür falls ihr die Lesung vorzeitig verlaßt, sondern hinterlaßt einen liebevollen Fettfleck.



Samstag, 14. März 2009

blöd blutig bleite, äh pleite


Neulich beim Laufen im Park traf ich eine Bekannte die ich einst im Niederländischkurs kennenlernte. Wie es der Zufall will, hatte sie sich gerade für einen eintägigen Auffrischungskurs angemeldet, der exakt heute stattfindet, und fragte mich, ob ich nicht auch mitmachen wolle.

Leider hatte ich heute schon was vor, ein wichtiges Foto-Shooting, dessen Ergebnisse Ihr demnächst noch zu Gesicht bekommt.
Aber auch ohne Auffrischungskurs kann ich mal wieder ein sprachliches Schmankerl aus dem Käse-, Tulpen- undsovielmehr-Land bieten.

Ich stieß nämlich neulich auf den folgenden schönen Ausdruck: "iemand de pis lauw maken".
Was übersetzt "jemandem das Pipi lauwarm machen" heißt.

Was will uns der Niederländer damit sagen, wenn er vor hat, jemandem das Pipi lau zu machen? Nichts anderes, als das , was wir ausdrücken wollen, wenn wir "jemanden bis aufs Blut reizen".

Mit Blut hat das Verärgern bei den Holländern nichts zu tun. Wenn sie das Wort blut verwenden, dann deshalb, weil sie nichts anderes mehr haben. Niederländisch "Ik ben blut" heißt zu Deutsch nämlich "Ich bin pleite". Auch wenn es ein bisschen wie "Ich bin blöd" klingt.

"Blöd" dagegen heißt auch bei den Holländern "bloed", bzw. wird so geschrieben, ausgesprochen wird es allerdings "blud". Das ist auch wichtig, denn damit heben sie sich vom Dänischen ab.
Wenn Sie in Dänemark Tempos kaufen, auf denen "extra blöd" steht, liebe Leser, so besteht nicht die Gefahr, dass die Tempos blutig oder pleite oder blöd sind, sondern das Dänische "blöd" bedeutet wiederum schlicht "weich".*
Man ist ja auch weich in der Birne, wenn man blöd ist.
Und ich werde auch langsam ganz blöd von diesem germanischen Potpourri, weshalb ich abschließend auch diese Entlehnung aus dem Französischen benutze, denn die bleibt bei allen Nordköppen gleich.


*Natürlich schreibt sich das Dänische ö als o mit einem diagonalen Strich durch, aber dieses Zeichen kann in diesem Blog scheinbar nicht umgesetzt werden! Nach viel zu viel Zeit, die ich erfolglos auf die Ermöglichung verschwendet habe, gebe ich nun auf.

Mittwoch, 11. März 2009

locals

Heute abend schon was vor? Ich hätte eine Empfehlung.
DJ Lenin, mein Blognachbar, macht heute abend eine Lesung im "Bücher vor Ort".
Das ist in der Mühlgasse 3 in Frankfurt-Bockenheim. Er liest aus seinem Buch "Muckefuck und Schrippen". Die Lesung beginnt um acht.

Übrigens werde ich demnächst auch mit Lenin zusammen lesen. Genaugenommen am 19.04.
Falls Ihr da noch nichts vorhabt, freue ich mich auf Euch.
Dann lesen wir im "Süden" in Bornheim und zwar aus unseren Blogs.
Könnte für treue Blogleser natürlich langweilig werden, aber ich werde sicher mit einigen peinlichen "Verlesern" für zumindest schadenfrohe Lacher sorgen.

Samstag, 7. März 2009

Verfolgt von dünnen Wänden


Wenn es im Büro mal wieder dazu kommt, dass meine Kollegin ein Privatgespräch führt, so bleibt mir das,
obwohl eine Wand uns trennt, nicht verborgen. Es ist eine sehr dünne Wand. Dass es ein Privatgespräch ist, erschließt sich daraus, dass es auf Kroatisch geführt wird und dass in ihrer Muttersprache die Stimme meiner Kollegin unwillkürlich kräftiger wird. Tritt dieser Fall ein, bedeutet das, dass meine Konzentration proportional zum Anschwellen ihres Stimmvolumens geringer wird. Ich kann mit so einem permanenten, dumpfen Gesprächsbrei im Rücken einfach nicht sehr gut denken.

Neulich war es mal wieder soweit und ich habe mir geholfen, indem ich ein wenig Musik anmachte. Ich kann mich besser bei Musik konzentrieren als bei unmelodischem Gebrabbel. Es endete allerdings damit, dass besagte Kollegin nach Beendigung ihres Telefonats in mein Büro kam, um etwas rüber zu bringen und prompt sagte: "Was für schreckliche Musik! Gut, dass ich die drüben nicht höre!" Was sie also rüberbrachte war genaugenommen ein Fettnapf, in den sie dann auch gleich trat. Zumal ich gerade "Kings of Leon" hörte und da verstehe ich ja keinen Spaß.
"Ich habe die Musik nur an, weil ich sonst Sie höre." konnte ich daher nicht umhin zu antworten. Und da es wohl gerade nicht danach klingt, muss ich an dieser Stelle hinzufügen, dass ich gegen meine Kollegin gar nichts habe. Aber eben gegen dünne Wände. Da wir aber nunmal genötigt sind, zwischen dünnen Wänden zu hausen und zu arbeiten, finde ich, sollte man das, was die Wand nicht an Lärmschutz bietet, in seine selbstgemachten Dezibel einkalkulieren.

Meine Kollegin aber meinte: "Ich mach doch gar nix!"

Es ist eine Merkwürdigkeit, wie dezent Leute sich selbst empfinden, wenn sie es gar nicht sind.
Bestes Beispiel dafür ist ja auch mein schon öfters erwähnter Nachbar.
Neulich hatte er einige Zeit lang Besuch von einem Pärchen. Laute Musik sowie die Geräusche des poppenden Pärchens (ich nehme an, sie waren dabei nur zu zweit, genau weiß ich es aber nicht) haben mich erst zu Ohrenstöpseln greifen, dann auf die Couch im Wohnzimmer umziehen und in der Nacht darauf zu meinem Freund flüchten lassen. Ich wollte tolerant sein wenn Gäste da sind und niemandem den Spaß verderben. Aber diese Toleranz war Perlen vor die Säue wie ich an den darauffolgenden Tagen feststellen mußte...

Eines Abends, ich saß konzentriert am Rechner, vibrierte mein Schreibtisch unter meinen Ellenbogen von dem Bass in der Musik meines Nachbarn. Miese RnB-Musik noch dazu.
Ich ging also rüber, klingelte und fragte ihn freundlich, ob er mal zwei Minuten Zeit für mich hätte. Er bat mich rein, aber ich bat ihn zu mir rüber und clever wie er ist, begriff er sofort, dass ich ihm zeigen wollte, wie laut seine Musik bei mir ankommt, bzw. wie dünn die Wand zwischen uns ist. Es ging hier nur noch um den Beweis, denn geschildert hatte ich es ihm schon oft genug, allein er glaubte mir nicht recht.
An diesem Abend stand er jedoch recht zerknirscht tuend in meinem Flur, beteuerte, dass er das Ausmaß ja nicht geahnt hätte und entschuldigte sich vielmals. Ich erläuterte ihm, dass ich in den letzten Tagen schon rücksichtsvoll ausgewichen sei, wegen seines (gedacht: poppenden) Besuchs und er grinste schief und meinte (offenbar verstehend), dass er auf das was sein Besuch mache, nun mal keinen Einfluss hätte. Bevor er ging, bat er mich, ruhig immer zu klingeln, wenn er mal wieder nicht merken würde, dass er zu laut ist. Soweit so gut. Ich war voller Hoffnung für eine ruhige Zukunft....

Nur 5 Stunden später, also mitten in der Nacht, wurde ich davon geweckt, dass mein Nachbar mit seinem Pärchenbesuch in die Wohnung nebenan einfiel, offenbar von einem feuchtfröhlichen Abend zurückkehrend. Es wurde laut gelacht, schlechte RnB-Musik aufgedreht, mitgesungen, rumgepoltert.
Ich versuchte erst gar nicht, diesen total ignoranten Haufen zu Ruhe zu bewegen. Was hätte ich bei dem außergewöhnlichen Kurzzeitgedächtnis meines Nachbarn schon erreichen können? Ich hätte geklingelt, gemeckert, wie schon so oft, und wäre anschließend - wenn es doch laut geblieben wäre, weil dieser debile Egozentriker bereits wieder vergessen hätte, dass ich auch noch hier wohne - nur noch entsetzter darüber gewesen, wie asozial manche Menschen sind.

Also zog ich ins Wohnzimmer um, wo ich dann zunächst noch eine Weile wach lag und mich grämte. Grämte im Sinne von "wachliegen und im Kopf alle möglichen Sätze formulieren, mit dem man es dem Ursprung des Grams so richtig zeigt", im Sinne von "Beschimpfungen erdenken, die man doch nie sagen würde und auch nicht bloggen", im Sinne von "vor eigenem Kopfgezeter nicht einschlafen können und deshalb noch wütender werden".

Ich erwachte zeitig am nächsten Morgen, weil man eben auf einer Couch nicht unbedingt so gut nächtigt, wie im eigenen Bett. Und obwohl ich keine Lust auf Krieg hatte, auf "Auge um Auge, Zahn um Zahn", obwohl ich kein Bedürfnis hatte auf gleiches Niveau zu sinken, verschaffte es mir ein wenig Erleichterung, morgens um acht eine Musik auszuwählen, die den Menschen auf der anderen Seite der dünnen Wand bestimmt nicht gefallen würde und diese besonders laut zu hören - und wenn ich mir selbst Ohrenstöpsel reinstopfen müßte. Ich entschied mich für eine 80er-Jahre-CD aus dem untersten Fach und begann mit Huey Lewis and the News und "The power of love", um auch gleich eine Botschaft rüberzubringen. Dazu hängte ich Wäsche ab und verstaute sie geräuschvoll in dem Kleiderschrank der an der dünnen Wand zum Schlafzimmer meines Nachbarn steht. Beim Saugen danach hatte ich schon fast wieder gute Laune. Und tatsächlich habe ich zum ersten Mal wirklich Rache verübt. Nicht im Spiel, nicht im Scherz, sondern "in echt". War lecker. Ich mag ja Süßes.
Und noch dazu war es danach einige Tage lang still...

...to be continued...

Donnerstag, 5. März 2009

freakig


Hat doch die Moderatorin im Radio beim Vorlesen der Verkehrsnachrichten im Radio tatsächlich "Freakbert" statt "Friedberg" gesagt. Ein (Alp)Traum jedes Vorlesenden.


Wie wohl so ein Freakbert ausschaut?


Sonntag, 1. März 2009

Die Predigersöhne im Erzbistum


Nach verpaßtem Konzert in New York im September konnte ich am vergangenen Wochenende die zweite Chance wahrnehmen und fuhr nach Köln zu einem Stelldichein mit den Kings of Leon im Palladium.

Nette Halle muss man sagen, gut organisierte Garderobe und Getränkeausschänke, gute Akustik, nur zu schlauchartig. Etwas zu groß für das richtige Konzertgefühl. Zumindest da es für mich bei einem Standort weiter hinten in der Halle blieb, die bei meiner Ankunft schon gut gefüllt war und mir der Sinn nicht nach Ellenbogeneinsatz stand.

Ich sah nicht gut, aber was ich hörte war mehr als gut.
Es gab rein gar nichts auszusetzen. Die Darbietung war perfekt. Caleb war nicht voll, auch wenn seine Stimme so klang, wie immer. Sein Gesang brachte meinen Solarplexus zum Kribbeln, ich kann es nicht anders ausdrücken.
Das Konzert fing schon erhebend an, als die Jungs begleitet von einem eingespielten Choral die Bühne betraten und "Crawl" anstimmten. Take a look.

Die Stimmung brodelte über bei "Sex on Fire", ein Lied, das mein verehrter Blognachbar neulich als "mittelmäßigen Ami-Stadion-Rock" bezeichnete, worüber ich verschnupft war. Live hat es sich aber tatsächlich so angefühlt. Alle Hände gingen als Faust oder den Zeige- und den kleinen Finger abspreizend in die Luft und alle grölten mit (wobei mir das Wort "grölen" schon zuwider ist).
Aber es liegt nicht am Lied, sondern an den Leuten. Irgendwie scheint dieser Song beides zu bedienen, das Lager, das Stadionrock will und das Lager, das Stadionrock haßt, aber dieses Lied mag, da es eigentlich nicht als Stadionrock konzipiert wurde.

Sei's drum - mein Favorit an diesem Abend war "Charmer". Ganz starker Auftritt. Hier eine frühere Darbietung, die einen guten Eindruck vermittelt, wenn man nicht hinschaut, sondern nur hinhört.
Auch "Closer", "Knocked up" und "Black Thumbnail" waren ganz groß.

Die Band kündigte bald an, an diesem Abend etwas länger spielen zu wollen, da sie so ein amazing Publikum hätten und da es ihr letzter Auftritt vor dem Rückflug nach Nashville sei.
Nach 66 Minuten war jedoch Schluß. Als die Band für das Zugaben-Set auf die Bühne kam, erklärte Caleb, dass es ihm leid tue, wieviel man für die Tickets hätte zahlen müssen und sie spielten weitere 25 Minuten. Ich finde allerdings, dass 1,5 Stunden dann schon drin sein sollten, ohne gönnerhaft zu werden. Gerade die letzten 25 Minuten waren aber kraftvoll und ein besonderer Spaß.

Habe ich normalerweise nach 1,5 Stunden oft selbst genug, reichte es mir dieses Mal nicht. Vielleicht wenn ich doch die Ellenbogen ausgepackt und mich nach vorne, ganz nah ran gewühlt hätte.

Ein bisschen Schuld an meinem Unwillen dazu war die schlechte Vorgruppe, die mich beinahe eher wieder aus der Halle hinaus getrieben hätte. Sie verfügte über keinerlei Magie. Es waren "The Ettes" aus L.A. Fieses Geschraddel....