Dienstag, 27. April 2010

obertrieben

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Die Knigge-Gesellschaft hat sich eines Problems angenommen, dass auch schon in Pulp Fiction thematisiert wurde. Man erinnere sich an diese kleine Szene.

Es geht darum, dass es keine weibliche Entsprechung für den Ruf nach dem Ober gibt, jedenfalls keine, die unter feministisch-sprachkritischen Aspekten political correct wäre. Daher sucht die Knigge-Gesellschaft nun nach einem solchen Begriff und bittet dabei um Mithilfe.

"Oberin" zählt nicht, da man sonst unter Umständen eine Äbtissin am Tisch begrüßen darf. Die meisten Kellnerinnen haben schon eine Abneigung gegen ein einfaches "Entschuldigung" oder "Hallo", dürften sich allerdings noch mehr über die bisher eingereichten Ausdrücke echauffieren, z.B. über "Saftmaus" oder "Fanta-Barbie".

Aber warum aufregen? Kein gefundener Kunstbegriff wird sich durchsetzen und was ist so schlimm, wenn die "Bedienung" gerufen wird? Es ruft doch auch nicht wirklich noch jemand "Herr Ober", oder? Im Grunde ist das mit Pulp Fiction bereits erwähnte "garcon" auch nicht besser, wenn man bedenkt, dass man damit durchaus mal einen Mann mittleren oder höheren Alters ruft.

Meistens klappt es doch ganz gut mit Blickkontakt, dem Heben der Hand und einem Lächeln.

Wenn Ihr trotzdem meint, Ihr habt für dieses selbstgemachte Problem eine Lösung:
Vorschläge können unter frollein@knigge-akademie.de eingereicht werden.
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Freitag, 23. April 2010

am Arsch

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Heute war in meinem Tagesabreiß-Kalender Allgemeinwissen, die lustige Frage "Woher kommt der Begriff 'Arschkarte'?"
Als noch viel lustigere Antworten waren zur Auswahl gegeben:
- aus der Medizin
- aus der Bibel
- aus dem Sport

Wenn man jetzt nicht weiß, dass der Begriff aus dem Bereich Sport stammt, wird man wohl dennoch kaum eine der anderen Antworten in Betracht ziehen. Wie soll man sich das vorstellen?
Die Arschkarte als anatomischer Aufbauplan des Hinterteils? Oder steht im Alten Testament etwas geschrieben "Und Noah sprach: 'Komm auf meine Arche, sonst hast Du die Ar(s)chkarte gezogen?'"

Dass der Begriff aus dem Bereich Sport kommt ist also klar. Woher genau, sei der Vollständigkeit halber auch erläutert.

Als in den 60er Jahren Fußballspiele im Fernsehen übertragen wurden, konnte man aufgrund der Schwarz-Weiß-Fernsehtechnik nicht erkennen, ob einem Spieler die gelbe oder die rote Karte gezeigt wurde. Also einigte man sich darauf, dass die gelbe Karte aus der Brusttasche und die rote aus der Gesäßtasche des Schiedsrichters gezogen wurde, so dass er also gelegentlich die Arschkarte zeigte.
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Mittwoch, 14. April 2010

Lesestoff

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Im Laufe meines Lebens habe ich mich daran gewöhnt, dass es Männer gibt, die einem nicht in die Augen sehen, sondern ihre Rede an den Bereich etwa 30cm darunter richten. Das prallt schon lange an mir ab. Ich habe sogar ein bisschen Spaß daran, ein T-Shirt mit dem typografisch komplizierten Schriftzug "What are you looking at?" zu tragen. Das ist ein bisschen gemein, weil der Schriftzug zum Hinstarren motiviert, bis man es geschafft hat, ihn zu entziffern. So starren einem durchaus auch mal Frauen auf die Brüste. Putzig ertappt, wenn die Semantik oben angekommen ist, reagieren aber immer nur die Männer.
Ich habe das T-Shirt nicht deswegen gekauft, es gefiel mir einfach grafisch. Um ehrlich zu sein, habe ich den Text erst nach dem Kauf so richtig wahrgenommen. Zumindest den KonText, also den Zusammenhang mit dem Untergrund, auf dem der Text prangen wird.

So eine Unachtsamkeit hätte auch nach hinten los gehen können. Am End hätte sowas drauf gestanden wie "Die sind echt", "Seht Euch die mal an" oder auch einfach sowas Blödes wie "Kleine Zicke", dann hätte ich das T-Shirt gleich in die Tonne kloppen können. Ist aber ja soweit nochmal ganz gut gegangen.
Schade, dass ich das T-Shirt nicht schon hatte, als ich einst in folgende Situation geriet. Als nämlich bei einem geschäftlichen Beisammensein ein Abteilungsleiter mit einer Kollegin auf mich zutrat, um sie mir vorzustellen, und - mir auf die Brüste schauend - fragte: "Sie beide kennen sich noch nicht?"
Und da soll man ernst bleiben! Fast hätte ich gesagt "Doch, die kennen sich von Geburt an."
Aber natürlich habe ich das nicht gesagt, habe auch kein Schriftzug-Shirt getragen, sondern nett gelächelt und versucht, dem Mann tief in die Augen zu sehen. War ein einseitiges Unterfangen.

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Donnerstag, 1. April 2010