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Aus irgendeinem Grund konnte ich gestern nacht nicht einschlafen. Vielleicht hab ich schon gespürt, dass da ein "manic monday morning" auf mich wartet und war innerlich unruhig. Da also an Schlaf nicht zu denken war, habe ich mein Buch ausgelesen. War eine Leihgabe einer Kollegin und ich hatte dann irgendwie heute nacht auch den Ehrgeiz, es ihr heute zurück geben zu können. Hat geklappt.
Um halb drei habe ich dann die Weckzeit etwas weiter nach hinten verschoben, damit ich wenigstens über fünf Stunden Schlaf käme. Als der Wecker morgens schließlich losging, konnte ich ihn allerdings nicht hören. Denn da war bereits seit Punkt sieben ein alles übertönender Dezibelanschlag in vollem Gange. Die Wand zum Nachbarhaus, das derzeit kernsaniert wird, schrie unter der Schlagbohrerpenetration. Auf dem Baugerüst links von meinem Schlafzimmerfenster schrien die Bauarbeiter. Und vorm Haus schrien die Bäume unter der schreienden Säge, die sie zurecht stutzte. Manche Menschen schneiden Pflanzen nur bei Vollmond, die Stadt schneidet Pflanzen nur früh morgens. Und die Bauarbeiter schienen nach dem langen Feiertagswochenende nahezu auf Entzug. Ich machte mich darauf gefaßt heute im Büro mal wieder einen Anruf von meiner Vermieterin zu bekommen. Nur würde sie heute nicht sagen "Da ist ein Päckchen für Sie angekommen, das können Sie sich nachher bei mir abholen." Sondern sicher würde sie sagen "Da ist ein Bauarbeiter bei Ihnen durch die Wand gekommen, den dürfen Sie nachher in Ihrem Wohnzimmer begrüßen."
Ich beeilte mich mit der Morgentoilette um möglichst rasch aus dem Haus und ins vergleichsweise ruhige Büro zu kommen. Als ich beim Aufbruch wie immer am Briefkasten nach meiner Tageszeitung griff, hatte ich statt wie gewohnt den Tagesspiegel doch tatsächlich die BILD in der Hand. Überrascht hat mich das zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. Wenn schon, denn schon.
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