Samstag, 20. September 2008

nichts mehr zu retten


Ich war, wie immer, in meine Arbeit vertieft*, als an mein Ohr diffuse Klänge von draußen gelangten, eine Stimme, die von irgendwas verzerrt wurde. Ob es ein Megaphon war oder der Lautsprecher bei einer Telefonkonferenz konnte ich nicht ausmachen. Verstehen, was die Stimme sagte, konnte ich ebenfalls nicht.


Von Neugier und Selbsterhaltungstrieb getrieben, verließ ich das Büro, um der Sache nachzugehen. Wer weiß, vielleicht fuhr die Polizei durch die Straßen und ließ die Anwohner (oder Anarbeiter) wissen, dass irgendein Chemieunternehmen nicht aufgepaßt hatte und nun eine giftige Wolke durch die Stadt waberte und man deshalb die Fenster geschlossen halten sollte. Also ging ich ans Flurfenster und machte es auf und streckte meinen Kopf raus. Ich lauschte, kam der Sache aber nicht näher. Alles blieb unverständlich.

Ich zog den Kopf wieder ein und bemerkte, dass eine mir unbekannte Kollegin hinter mir stand. Sie sah mich verwundert an und fragte, ob ich etwas verloren hätte.
"Nein," antwortete ich, "ich höre Stimmen."
Jetzt sah sie mich nicht mehr verwundert an. Sie sah mich überaus skeptisch an. Ich glaube, eine Spur von Mitleid war auch in diesem Blick.
"Also, ich höre keine Stimmen, wie man das so sagt, sondern da draußen..."
Ich verhaspelte mich, blubberte erklärendes Zeug vor mich hin, aber es war nichts mehr zu retten.

Ich bin wohl auch einfach urlaubsreif. Deshalb mach ich mich jetzt mal auf über den großen Teich. See you soon.


*Chef liest mit ;)

Dienstag, 16. September 2008

Ode an den Odenwald

Heißt das eigentlich wirklich Freitag, der 13. ? Nicht Dienstag, der 16.?
Nicht genug, dass an dem Tag eines wichtigen Termins im Odenwald erst mal der Autoschlüssel verschwindet, als hätte man keine anderen Sorgen. Nicht genug, dass keiner der infrage kommenden Kollegen, inklusive meiner Wenigkeit, was zu seinem Verbleib sagen kann und schließlich nach Suchen und Fluchen der Ersatzschlüssel beschafft werden muss. Nicht genug, dass der Tank mal wieder leer ist. Nein, der Odenwald muss auch noch für Überraschungen sorgen, indem er an einer unbedeutenden Stelle in einem unbedeutenden Kaff eine unbedeutende Baustelle von 4 Quadratmetern aufweist, die allerdings für eine bedeutende Umleitung verantwortlich zeichnet...

Ich folge den Umleitungsschildern, fahre auf engen Landstraßen zwischen Kuhweiden und lande in Groß-Umstadt - wo ich nicht hin will. Dort gibt es nur Schilder, die in die Altstadt führen, in der es voll ist. Es staut sich. Ich werde ungeduldig, finde irgendwie wieder raus und folge einem Schild, das zu dem Ort weist, zu dem ich eigentlich will. Ich lande irgendwo in der Nähe des Ausgangspunkts der ersten Umleitung und werde - umgeleitet. Ich folge nun anderen Umleitungsschildern (es gibt ihrer gar viele) und fahre und fahre und fahre. Inzwischen muss ich ziemlich dringend zur Toilette, so dringend dass mir Tränen in die Augen steigen. Der Ausdruck „Pippi inne Augen“ bekommt eine völlig neue Interpretationsmöglichkeit. Vor mir ein Heuschuber mit 15 kmh.

Nach längerer Fahrt komme ich nach Ober-Ramstadt. Ein weiterer Ort, den zu besuchen ich keine Intention hatte. Wie oft sind mir – neben dem eigentümlichen Modebewusstsein - im Odenwald geschmacklose Konzertplakate zu nichtssagenden Coverbands in die Augen gesprungen, wie sehr wünsche ich mir nun, dass mir einfach mal ein aussagekräftiges Verkehrsschild ins Auge spränge. Vor mir gurkt ein Auto mit „Cecil und Lennart an Bord“.
Ich fahre und fahre. Ich fahre mal wieder zu schnell, es blitzt mir mitten ins Gesicht. Der dritte Knollen mit Firmenwagen innerhalb eines Jahres. Die Laune steigt.
Ich irre weiter durch den Odenwald. The Kooks singen "Do you want to see the world?" und ich muss wider Willen lachen.

Endlich im Ort meiner Träume, äh meines Termins, bis zu dem es inzwischen nur noch 10 Minuten sind, stehe ich erst mal.
Die Umleiterei sorgt in jedem Kaff im Umkreis für Rückstau, so auch hier. Die obligatorische eine Durchgangsstraße des Ortes ist verstopft. Auf dem Bürgersteig parkt ein grellgelbes Reimo-Mobil leider nur halb. Die andere Hälfte blockiert den Durchgangsverkehr. Hier verbringe ich die letzten 9 Minuten bis zu meinem Termin. Dann endlich bin ich da, schließe auf, sprinte zur Toilette, wo ich die letzte Minute verbringe. Komme raus, packe meine Unterlagen aus... 4, 3, 2, 1 – Guten Tag, willkommen. Small Talk, bei dem ich erfahre, dass mein Termin die gleichen Probleme hatte. Naja, wahrscheinlich so ähnliche, über das dringende Bedürfnis haben wir nun nicht geplaudert.

Samstag, 13. September 2008

I like American Music


Apropos New York... Ich habe den Auftrag, für eine dort lebende Bekannte meines Freundes, der ich selbst noch nie begegnet bin, ein bisschen Musik mitzubringen. "Einfach, was wir gerade hier so hören." lautet die einzige Spezifizierung, womit aber nicht gleichsam hohles Radiogedudel gemeint war.

Etwas ratlos stand ich vor meinem CD-Regal. Arctic Monekys? Kann ja nicht sein, dass sie die nicht kennt. The Kooks? Muss sie schon mal gehört haben. Aber vielleicht irrt man da auch. Jemand, der vielleicht kein Internetradio hört, sondern nur amerikanische Radiosender, an dem kann schon so einiges vorbei gehen. Und einiges läuft ja in den USA auch gar nicht (gut).
Robbie Williams etwa hat ja in den USA auch keinen Erfolg, was man in Europa kaum glauben kann.

Dagegen ist für mich Musik von "Feist" gänzlich unamerikanischer und wurde als Mitbringsel in Betracht gezogen. Leslie Feist kommt aus Kanada, was nicht unbedingt ein Grund sein muss, warum sie in den USA beliebt sein sollte. Aber sie hat große Konzerte in New York gegeben, was sicher nicht zuletzt an der iPod-Werbung lag, also kann ich "Feist" zu Hause lassen.

Ich habe dann mal spaßeshalber in AFN reingehört. Das ist nun kein Maßstab, denn da läuft ja "America's Best" für die armen Amerikaner, die in Europa leben und nur europäische Musik zu hören bekommen...
Since 1943, the American Forces Network Europe has been providing American service members, families and Defense Department civilian employees stationed in Europe with the best of American radio and television services.


"America's Best" heißt: Bruce Springsteen, Kid Rock, Jennifer Lopez und Toto.
Nicht Clap Your Hands Say Yeah, Kings of Leon, Queens of the Stone Age, The Strokes oder Violent Femmes.
Die armen Amerikaner, die in Europa leben und keine gescheite amerikanische Musik zu hören bekommen, außer von den europäischen Sendern...

Habe jetzt erstmal Nouvelle Vague als Musikmitbringsel ausgewählt.

Freitag, 12. September 2008

holy shit

"Das ist doch zum Heulen" wird häufig so daher gesagt.
Um mal wieder das Blog zum jammern zu gebrauchen: Mir kamen wirklich die Tränen, als ich feststellen mußte, dass die Kings of Leon in der Webster Hall spielen, wenn ich in New York bin und dass das Konzert leider ausverkauft ist.
Es ist das Releasekonzert zur Veröffentlichung der neuen CD und in Amerika sind die KoL nun mal wesentlich bekannter und beliebter als hierzulande, so dass die Tickets innerhalb weniger Minuten vergriffen waren - also: keine Chance.
Versuche, anderweitig an Tickets zu kommen, scheiterten am Preis. Ab 200 Dollar aufwärts wäre ich dabei. Zufällig ein Sponsor unter den verehrten Lesern?
Für die New Yorker ist das anscheinend ein Klacks für ein Konzert. Waren die Madonna-Karten in Deutschland schon teuer, so wird das in NYC locker getoppt: Da kostet der Spaß rund 1100 Dollar. Zumindest erwartet man für diesen Preis Spaß. Ich bin sicher, der ist bei den KoL garantiert.

Was bleibt zum Trockenen der Tränen ist YouTube und Kinderdisko - so nennt eine holländische Freundin das unbeobachtete Rumspringen in den eigenen vier Wänden.
Playlist hierzu:
Soft
Razz
Happy alone
Four Kicks
Holy roller novocaine
und wohl am bekanntesten: Molly's Chambers

Verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt, verdammt!

Mittwoch, 10. September 2008

Spuk


Ach herrje, da komm ich mit so Pipifaxproblemchen wie "unbeliebt im Pub" daher, während sich bei meinen Lesern unerfüllte Wünsche und beendete Beziehungen finden.

Und wie das so ist, wenn man sich unter Druck fühlt, nun zur Aufmunterung was Erheiterndes aus dem Ärmel ziehen zu müssen, fällt einem rein gar nichts ein.

Meistens bin ich ja auch eher unfreiwillig komisch. Wenn ich mich zum Beispiel verspreche und Bronce (mit französischem Akzent natürlich) zur Bronx sage. Oder auch mit meinem letzten Blogeintrag, in dem ich tatsächlich schrieb: "Ich muss befürchten, dass man mir ins Essen spukt."

Außer meinem pingeligen Kollegen (Sorgfalt im Job ist wichtig, also ist das ein Kompliment!) hat das wohl keiner gemerkt. Er aber fragte mich, wie er sich das vorstellen solle... Hokuspokus in der Suppe, Abrakadabra in der Nachspeise?
Entweder hat er sich nicht getraut, das hier zu kommentieren oder er wollte mich nicht bloßstellen. Hm, nein, letzteres kommt nicht in Frage.
Naja, sei's drum.

Apropos Spuk. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Leonard Nimoy und Leonard Cohen sich verdammt ähnlich sehen? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!

Sonntag, 7. September 2008

Faux pas


Meine Freundin T. ist treue Teilnehmerin an einem bunten Brit-Pop-Musikabend im Frankfurter Nachtleben (den Club müßt ihr jetzt raten) jeden ersten Samstag im Monat. Und jedes Mal wünscht sie sich ein Lied. Sie wünscht sich jedes Mal das gleiche Lied: "
Three lions".
Das vorletzte Mal, als sie es sich wünschen wollte, winkte der DJ nur noch ab und sagte sowas wie "Ich weiß schon, ich weiß schon..." Beim letzten Mal lief T. nur noch beim DJ vorbei und rief ihm zu "Ich bin dann jetzt da." Und sie ist sehr stolz auf diesen gewonnen Status.


Das letzte (und einzige) Mal, als ich mir genau dasselbe Lied wünschte, geschah das, weil T. Geburtstag hatte und ich ihr eine Freude machen wollte. Allerdings vergaß ich völlig den Kontext, in dem ich mich gerade befand. Oder besser: Ich vergaß leider für einen Moment, in welchem Laden ich mich befand...
Kaum hatte ich den Wunsch beim Wirt geäußert, wurde ich mit den harsch dargebrachten Worten "We're an Irish Pub, not a British Pub!" stehen gelassen. Und ich bin nicht stolz auf den gewonnen Status. Denn er ist schlechter als vorher, verständlicherweise. Mea culpa.

Ich muss befürchten, dass man mir seitdem ins Essen spukt (und esse seitdem nichts mehr im Pub und über die Getränke will ich gar nicht nachdenken). Ich hätte es wieder gut machen sollen und "Ohne England fahren wir zur EM"-singend durchs Pub laufen sollen, aber die Chance hab ich verpaßt und außerdem war Irland ja auch nicht dabei. Bleibt mir nur, demnächst mit meinem "Native Irish"-Touri-T-Shirt aufzulaufen, was anderes fällt mir nicht ein.


Für weitere Tipps dankbar wünscht Euch einen guten Wochenstart:
Penjelly

Freitag, 5. September 2008

Unterdrückung sucks


Ich weiß, ich weiß....meine eigene Lache ist manchmal auch sehr, hm, lächerlich.

Aber gegen diesen Mann stinke ich total ab.

Jeder kennt die Situation, wenn Albernheit nicht mehr weg geht und es einem physische Schmerzen bereitet, wenn man das Lachen unterdrückt. Die meisten kennen es sicher aus der Schule.
Ich saß immer neben meiner Freundin N. und wir haben viel gekichert. Wenn der Lehrer auf uns aufmerksam wurde hat N. ihre Wangen nach innen gezogen und drauf gebissen und sah todernst aus. Ich dagegen hatte einen roten Kopf, Tränen in den Augen und ein verzerrtes Gesicht. Wer hat wohl den Rüffel bekommen?

Ich finde diesen Mann herrlich, er läßt's raus, auch wenn er dabei klingt, als hätte er einen Vogel verschluckt:

The weatherman

Mittwoch, 3. September 2008

Wenn bei Capri der Beutel im Wald versinkt


Beim Waldspaziergang stieß ich kürzlich auf einen leeren, platt getretenen Capri-Sonne-Beutel. Die gibt's noch? Wie lange gibt's die eigentlich schon? Und: Wieso gibt's die noch? fragte ich mich. Ich fand die früher schon nicht so prickelnd. Und prickelnd war sie ja auch nie. Eher abgestanden. Stilles Wasser mit künstlichen Fruchtaromen.

Gut, hin und wieder hatte ich Bock drauf - diesen Ausdruck verwendete ich noch zu Zeiten, als ich ab und an mal ne Capri-Sonne trank - Bock auf diese künstliche Kirsche aus der Tüte (die heute Kirsche-Cherry heißt).

Nun, man trinkt sie scheinbar immer noch. Oder vielmehr schluckt sie locker weg. Denn so ein Beutel enthält ja nicht viel mehr Flüssigkeit als so ein getränkter Wattebausch, an dem Models zutzeln. Dafür enthält so ein Beutel viel mehr Zucker als so ein Wattebausch. Ist also eher eine Schluckimpfung und nix für Models, höchstens Moppels.

Ich sah auf den platten Beutel im Wald hinab und fragte mich, ob das Design schon immer gleich war und wann Capri-Sonne Geburtstag hat. Also raus ausm Wald, rein ins Netz. Siehe da, nächstes Jahr wird Capri-Sonne 40! Ist ja immer schön, wenn man was findet, was noch älter ist, als man selbst. Wird ja im Laufe des Lebens immer weniger.

Wen es interessiert: Hier findet man mehr zur Geschichte der Capri-Sonne, in der sogar Muhammad Ali eine kleine, nicht gewohnt schlagkräftige Rolle spielt.

Was ist eigentlich aus Sunkist geworden? Gibt's das auch noch? Und Tri-Top? Quensch?
Hab ich was vergessen? Ab ins Netz.