Mittwoch, 31. Januar 2007

Weise Worte

Laß jedes Wort, bevor Du es aussprichst, drei Pforten passieren:
An der ersten wird es gefragt: "Ist es wahr?",
an der zweiten: "Ist es nötig?"
und an der dritten: "Ist es nett?"

(aus dem Islam)

Dienstag, 30. Januar 2007

Bitte lesen Sie den Beipackzettel oder fragen Sie Penjelly

Die Wissenschaft hat festgestellt.... ...dass nur die Hälfte der Menschen, die einen Beipackzettel lesen, ihn auch verstehen. Ein Drittel fühlt sich sogar verunsichert. Das kommt nicht nur durch die unangenehme Darbietung – viel zu viel Text in Fachjargon und in 4pt-Schrift – sondern auch daher, dass man den Code nicht versteht. Oder ihn in Panik und Selbstmitleid, weil man ja krank ist, gern missversteht, besonders was die Häufigkeit von Nebenwirkungen betrifft. Deshalb hier eine kleine Aufklärung:
sehr häufig = bei mehr als 1 von 10 Behandelten
häufig = bei mehr als 1 von 100 Behandelten
gelegentlich = bei mehr als 1 von 1000 Behandelten
selten = bei mehr als 1 von 10.000 Behandelten
sehr selten = bei weniger als 1 von 10.000 Behandelten
„Selten traten Übelkeit und Erbrechen auf.“ heißt nix anderes, als dass irgendeine Volleule nach einer durchrockten Nacht sein Magen- und Darm-Desaster auf unschuldige Tabletten geschoben hat. Aber ein des Codes nicht mächtiger Beipackzettelleser mit leichtem Hang zur Hypochondrie (leicht = universell = der Hypochonder in jedem von uns) hört nach der Einnahme in sich rein, meint, dass ihm flau wird und würgt ein wenig.
Noch schlimmer: Die meisten aller Beipackzettelleser sind angeblich unfähig, den Beipackzettel nach der Lektüre wieder richtig zusammen zu falten. (Ich glaube ja nicht, dass das eine Frage der Fähigkeit, sondern des Interesses ist.)

Um all diese schrecklichen Belastungen in einer Zeit des Leidens zu vermeiden, hat Medpharm tatsächlich eine Erläuterung zur Erläuterung herausgegeben, das spannende Buch:
(Edgar Wallace's) Der Beipackzettel!!

Dazu gibt’s jetzt aber keinen Link, das ist mir zu blöd.

Montag, 29. Januar 2007

Oberbürgermeisterwahl in Frankfurt, 28.Januar 2007

Eulengasse Bornheim, 16.20 Uhr

Aus einem Fenster über der Eulenburg brüllt ein Mann über die Gass:
„Renaade, warsde aach schon wäähle?“
Von der anderen Straßenseite keift es zurück:
„Naaa, und isch geh aach nedd. Warsd Du dann wähle?“
„Ei klar.“
„Isch wüßd aach nedd was isch wähle due solld.“
„Ei, wieso dann? Die Fraa Roth hadd des doch guug gemachd.“

Kurze Stille, dann wird geräuschvoll ein Fenster geschlossen.

Wärst Du mal wählen gegangen, gute Frau....

Freitag, 26. Januar 2007

Soundcheck

Auf Radio1 läuft Freitag abends die Sendung Soundcheck, das musikalische Quartett.
Dort werden Neuerscheinungen besprochen und ich möchte Euch die Sendung sehr ans Herz legen. Großartig!
Heute wurde Damon Albarns (ehemals Blur, Gorillaz) neues Bandprojekt "The Good, The Bad & The Queen" besprochen und gespielt - und das ist ebenfalls großartig!

Das sind also meine Tipps fürs Wochenende:
http://www.thegoodthebadandthequeen.com/ - mal reinschauen und -hören
bzw. nächsten Freitag:
http://www.radio1.de/_/beitrag_jsp/key=beitrag_84300.html - nur reinhören, 21-23 Uhr

Mittwoch, 24. Januar 2007

Kuschelig

Habe gerade im Kino angerufen und gefragt:
"Was läuft denn heute abend?"
Und bekam zur Antwort:
"Bei mir zuhause oder im Kino?"
Witzbold.

Was ich aber eigentlich erzählen wollte:
In der Teambank (ehemals Norisbank) sollen sich nun alle 1260 Angestellten duzen. Nicht etwa aus Sympathie, sondern per Verordnung und in Anlehnung an das englische You. Fand man professioneller. Finde ich schon mal ein merkwürdiges Argument.
Ist man automatisch professioneller wenn man sich duzt oder findet man es bloß professioneller, sich dem englischsprachigen Business anzugleichen. Wobei ja jenes nicht mitbekommt, ob ich im Aufzug Bernhard zum "Chief Executive Officer" (was schon schlimm genug ist, dass der so heißt) sage.
Was aber noch schräger ist:
Da der Übergang zum allgemeinen Du nicht ganz einfach ist, werden interne Workshops gegeben. Wie darf ich mir denn das nun vorstellen? Duzen oder Siezen ist nun mal eine Frage der Sympathie, des Respekts und der Gewohnheit. Ich kann mich zwar sicher daran gewöhnen, alle zu duzen, aber kann ich dieses "dran gewöhnen, alle zu duzen" auch trainieren?
Bei der Vorstellung eines Duz-Workshops bekomme ich persönlich die Assoziation einer Kuschelparty nicht aus dem Kopf.... Da schüttelt's mich.
http://www.die-kuschelparty.de

Montag, 22. Januar 2007

Today's tribute to...

Robert Gernhardt:

Der Tag an dem das _ verschwand

Am Tag, an dem das _ verschwand,
da war die uft vo Kagen.
Den Dichtern, ach, verschug es gatt
ihr Singen und ihr Sagen.

Nun gut. Sie haben sich gefaßt.
Man sieht sie wieder schreiben.
Jedoch:
Soang das _ nicht wiederkehrt,
muß aes Fickwerk beiben.

Sonntag, 21. Januar 2007

And the winner is: Augenzeuge

Erhebungen zufolge schenken die Geschworenen einer Jury vier von fünf falschen Identifikationen Glauben. Evidenzen, die falschen Augenzeugenberichten widersprechen, bleiben dagegen unberücksichtigt, obwohl erwiesenermaßen die Fehlerraten bei wissenschaftlichen Beweistechniken (Blutspuren, Reifenspuren etc.) geringer sind. Die Ursache ist schlicht geistige Trägheit:
Augenzeugenberichte sind zwar häufig falscher, aber dafür lebendiger und für die Vorstellungskraft des Menschen plausibler. Forschungsergebnisse dagegen erscheinen zweifelhafter, da der Tathergang erst selbständig im Kopf rekonstruiert werden muss.

Das heißt: Die (allgemeine) Trägheit des (allgemeinen) Geistes ermöglicht fieses (allgemeines) Denunziantentum. Natürlich vorausgesetzt, dass falsche Augenzeugen eben weniger mental träge sind und sich die Mühe machen, sich lebhaft irgendwelchen schmähenden Humbug auszumalen, den sie dann vor Gericht zum Besten geben...

Samstag, 20. Januar 2007

Today's tribute to...

...Bob Dylan:

"If you need somebody you can trust, trust yourself."

Damit fährt man nie schlecht.

Freitag, 19. Januar 2007

Du Kalmück

Gestern abend habe ich ein neues Buch angefangen (siehe Profil). Ein gutes Buch, hab gleich 100 Seiten auf einmal gelesen. Geht mir bei dem Autor aber eigentlich immer so. Jedenfalls schimpfte in dem Buch der eine Protagonist den anderen „Kalmück“ und da kam ich nicht ganz mit. Kalmück, gut, das ist ein Russe wußt ich, aber sonst auch nichts. So ein großes Land und man weiß so wenig über die vielen Menschen, die dort leben. Und deshalb möchte ich heute auf die Kalmücken (Kalmyken) aufmerksam machen! Kann ja sein, dass ihr mir alles über die Kalmücken erzählen könntet, aber ihr tut’s ja nicht.

Die Kalmücken sind ein westmongolisches Volk, nomadische Viehzüchter, und gehören zu den Torguten. Um mal kurz auszuholen: Die Torguten leben in Kirgisien und sind verwandt mit den Wolgatataren, die einer von vielen Tatarenstämmen sind, wie man Turkvölker bezeichnet, die in Tatarstan, im Kauaksus und Sibirien leben. Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose, aber ein Kalmück ist ein Torgut ist ein Wolgatatar ist ein Tatar….
Es gibt eine Kalmückensteppe (in Südrussland) und es gab bis 1991 die Kalmückische ASSR, die jetzt die Kalmückische Republik ist. Es gibt demnach eine ganzes Land voller Kalmücken, schau an! Und die sprechen Kalmückisch. Die Sprache gibt’s und sie wird von ca. 140.000 Menschen gesprochen.

Falls man also auch mal als Kalmück beschimpft wird, weiß man nun wenigstens ungefähr was das heißen soll, wenn auch noch lange nicht, was man davon halten soll.

Today's tibute to....

Francisco de Quevedo:
"Der Freund muß sein wie das Blut, es kommt sofort zur Wunde, ohne zu warten, dass man es ruft."

Schön, oder?

Donnerstag, 18. Januar 2007

Der Herrliche!

Meine Güte, Wikipedia ist echt schnell. Da schaut man sich den Eintrag zu Kyrill an (was übrigens von griech. cyrillos = Der Herrliche kommt), und dann steht da bereits: "Sturm am 18. Januar 2007". Morgen werden dann wohl die Schäden in den Text eingearbeitet, die der Herrliche heute hinterlassen wird. Von meinem Dach ist soeben schon die erste Schindel runtergefegt worden. Würde mich nicht wundern, wenn mein Heim heute wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen würde, wenn Kyrill durch die Risse in den Wänden pfeift. Aber da ich ja derzeit ans Haus gefesselt bin, werde ich wohl wie ein Kapitän mit dem Schiff untergehen. Ahoi.
http://de.wikipedia.org/wiki/Kyrill

Mittwoch, 17. Januar 2007

Von A bis B

Es gibt schon beeindruckende Jobs. Da lese ich im Tagesspiegel von einem Team von Philologen, die an der 2. Auflage des Grimmschen Deutschen Wörterbuchs arbeiten und nun nach 40 Jahren Arbeit am A endlich beim B angelangt sind. Band 1 erschien 1854 und reichte von A bis Biermolke. Der zweite Band begann bei "Biermörder" - was/wer immer das/der ist. Im weiteren Verlauf starb Wilhelm Grimm leider beim D und sein Bruder Jacob schließlich beim F.

Und da Sprache nun mal lebt und Wörter kommen und gehen (das ist nicht übertrieben ausgedrückt betrachtet man die Zeitspanne - bei 169 Jahren kann man das schon so sagen) hat man eben vor 40 Jahren wieder beim A angefangen.
Das heißt, das Wörterbuch wird in 26x40, also in 1040 Jahren fertig sein. Zwar haben einige Buchstaben weniger Worte zu bieten als das A (etwa X), aber andere auch sicher mehr (etwa S). In 1040 Jahren werden natürlich auch so einige Worte gekommen und gegangen sein, aber ich schätze es wird sowieso vorher, so in 129 Jahren, wieder jemand beim A anfangen...

Genau richtig

Einige von Euch wissen, dass seit Jahren Quatsch aus meiner Feder fließt – daher der Name (kleine Assoziationshilfe). Gescheitert bin ich stets an Geduld und Form oder vielmehr daran, dass mir für die meisten Formen die Geduld fehlt. Ich wurde schnell untreu. Schau’n wir mal, wie lange ich es mit einem Blog aushalte. Könnte funktionieren mit uns – Fitzelchen und Fragmente sind ja mein Ding. Probiern wir’s aus.

Denn:
Drei Dinge muß der Mensch wissen,
um in dieser Welt zu überleben:
Was für ihn zu viel,
was für ihn zu wenig
und was genau richtig ist.
(Weisheit der Suaheli)