Mittwoch, 22. Oktober 2008

Wo die Liebe hinfällt....


Gestern habe ich mir den hinreißenden Film Wall-E angesehen.

Wall-E , ein kleiner Roboter mit der Aufgabe, die von Menschen verlassene, völlig verdreckte Erde aufzuräumen, auf der er inzwischen auch der einzige Roboter ist, der sich eine Schabe als Haustier hält, sich sentimentale Filme anschaut und vom Händchenhalten träumt, bekommt Besuch von der Sonde Eve, die auf die Erde geschickt wird, um nach Leben zu forschen. Er verliebt sich (natürlich) und gemeinsam sorgen sie am Ende für einen Neuanfang auf der Erde.

Angesichts der daueraktuellen Umweltdiskussion ein aktueller Film. Angesichts der aktuellen Finanzkrise könnte man den Plot ja vielleicht umgestalten.

Wall-Street-E, ein Sparstrumpf-Roboter mit der Aufgabe, den von Menschen zu Grunde spekulierten, völlig aus den Fugen geratenen Finanzmarkt wieder in Ordnung zu bringen, der sich einen Bankenmanager als Schabe hält, sich gerne „Wall Street“ mit Michael Douglas ansieht und vom Aufschwung träumt, bekommt Besuch von dem Konjunkturprogramm „Glück auf“, das auf den Markt losgelassen wird, um nach Möglichkeiten zu forschen. Er verliebt sich (natürlich) und gemeinsam sorgen sie am Ende für einen Neuanfang auf dem Börsenparkett.

Ich ruf gleich mal Pixar an.

Montag, 20. Oktober 2008

Stret Vlass


Vor drei Wochen saß ich noch in Atlantic City im Trump Taj Mahal am Poker Tisch, trat gegen alte Hasen an (AC ist ein Casino-Mekka für Rentner), für die Pokern etwa den gleichen Status hat, wie Skat für so manche Frankfurter Apfelweinkneipenrunde, gegen Casino-erfahrene Zocker und spielsüchtige Freaks.

Es war spannender als Online-Pokern, klar, aber es war auch teurer. 20 Dollar Mindest-Buy-In, die Blinds bei 1 und 2 Dollar – das war der harmloseste Tisch, an dem ich vernunftgemäß verblieb.
20 Dollar können einem in 15 Minuten durch die Finger rinnen, 20 Dollar können aber auch halten und sich vermehren. Bei mir kam beides vor und unterm Strich hab ich etwa 10 Dollar Verlust gemacht und das war es wert.

Es war ein großer Spaß allein die überwiegend asiatischen Dealer zu erleben, ihre Worte eigentlich nicht zu verstehen, außer durch den Kontext, sie "Vlass" sagen zu hören, wenn man einen Flush zeigt, ihnen die Karten über den Tisch zu schieben, weil sie aufgrund der Größe bzw. Kleine nicht an die vor einem abgelegten Karten rankommen. Es war interessant, diese Fremden am Tisch einzuschätzen, mit ihren Obama-Kappen, ihren Maskottchen, ihren Casino-Member-Goldcards. Sie waren alle sehr nett. Es gab ihrerseits Erstaunen darüber, dass in Deutschland gepokert wird und es gab unsererseits Erstaunen darüber, dass viele von ihnen häufig einen Bezug zu Deutschland hatten. Entweder sie waren früher irgendwo in Deutschland stationiert gewesen, hatten dort Verwandtschaft oder sogar mal ein paar Brocken Deutsch gelernt.
Sie alle waren mir lieber als diese vielen Monks unter den Online-Pokerern.

Nerven kosten mich jene, die Kinderbilder in ihr Spieler-Icon übernehmen. Ich kann gar nicht hinsehen und muss doch (da ich ja nun mal mit ihnen am Turniertisch sitze). Es gelingt mir nicht, diese doofen Bilder wegzublenden. "Doofe Bilder" deshalb, weil es einfach nicht passt.

Da lobe ich mir sämtliche Embleme von Fußballvereinen, Bilder von Sportwagen, Comicfiguren oder Grimassenbildern der Spieler. Aber es ist so demütigend, eine Hand gegen ein unwissend zahnlos grinsendes Milkaschmunzelhasen-Kindergesicht zu verlieren, das eindeutig einem Wesen gehört, das des Pokerns noch nicht fähig ist. Gut, Sportwagen, Comicfiguren und Fußballembleme sind es auch nicht, aber die grinsen auch nicht so.
Das gehört da nicht hin! Kann denn niemand was gegen so was (s.u.) tun?
Das bisher schönste Icon eines Pokergegeners war übrigens ein Bild des Dalai Lama.





Dienstag, 14. Oktober 2008

burn before eating


Habe mir soeben den neuesten Coen-Film angeschaut, "Burn after reading".

Ich fand es großes Kino. Schon die ersten Kameraeinstellungen hatten die unvergleichliche Handschrift der Brüder, ein Genuß. Und was die schauspielerischen Leistungen des Staraufgebots betrifft: Man kann an keinem was aussetzen. Eher weiß man nicht, wen man zuerst erwähnen soll, damit keiner hervorgehoben werde. Dabei sind die Leistungen der Darsteller nicht mal vergleichbar, viel zu unterschiedlich sind die Herausforderungen, viel zu grundverschieden die Figuren. Niemand ist kalter als Tilda Swinton, niemand hyperaktiver, feiger und egozentrischer als George Clooney, niemand so herrlich doof und bedauernswert in seiner Doofheit wie Brad Pitt.
John Malkovich ist am kraftvollsten, spielt aber auch den kraftvollsten Charakter. Und Frances McDormand ist grandios in ihrer zielgerichteten Naivität. Den normalen Typ übernimmt Richard Jenkins und man hofft umsonst für ihn, dass er nicht in den Strudel dieser Irren gerät. Eine perplexe CIA-Führung bezahlt am Ende Schönheits-OPs. Der Film hat Spaß gemacht, ganz einfach.

Apropos "Burn after reading": Ich hab keine Ahnung, was auf dem Pfannkuchen stand, den ich kürzlich in Mystic, Connecticut in der Mikrowelle des Hotels unfreiwillig in Brand setzte und mir so schnell Freunde im beschaulichen Dorf, der Schauplatz des Films "Mystic Pizza" war, machte, nämlich ein paar Feuerwehrleute und das halbe Hotalpersonal. Ich hoffe aber, mir ist nun deshalb nicht das CIA auf den Fersen.

Montag, 13. Oktober 2008

so grün. so zynisch.


Das Schild hing an Ground Zero.

Sonntag, 12. Oktober 2008

Freustuhl und seine Geschwister


Mund offen, weit wunder

Nacktmusik und Schimpfapfel
dunkelbunt
Sprachfenster - Küsskreis
Schuhschein & Winterschmerz
blind vergessen
Duftschimmer, Schlafstern und Grünschnee
Wollfedergift

Nein, ich übe mich nicht in experimenteller Lyrik, jedenfalls nicht so geballt. Aber seit ich diese kleine Truhe "Kühlschrankpoesie" geschenkt bekommen habe, entstanden hin und wieder, zwischendrin, ganz nebenbei so einige poetische Neologismen an meinem Tiefkühlfach. Ich habe sie hier mal eben zusammengefaßt. Nicht alles, was sich in magnetischen Worten in meiner Küche lesen läßt, ist von mir selbst, wie mich besonders dieser Satz vermuten läßt:
"Frauen können meist Meer, Zuckerschwester"

Ist eben so'n ganz abgefahrener interaktiver Poetry Spam da in meiner Küche.

Mittwoch, 8. Oktober 2008

Sprudelei


Ich bin wieder hier. Schön war's. Sehr schön.

Die Fotoausbeute liegt bei etwa 1600, wovon nicht alles brauchbare Beute sein wird. (Die Sichtung ist erst zu etwa einem Fünfzigstel erfolgt.)
Ich hatte ja zuvor Bedenken, dass mein Freund und ich durch New York laufen würden, selbstvergessen, ohne viel miteinander zu reden, das Objektiv am Auge klebend... Das war aber nicht das Problem. Eher, sich in dieser Fülle und diesem Treiben wieder zu entdecken, nachdem man selbstvergessen (oder den anderen vergessend) durch die Linse geschaut hat. Aber auch das führte nie zu ernsthaften Verlusten. Denn glücklicherweise sind wir zum einen beide sehr groß und können uns zwischen all den Dicken gut erspähen und zum anderen kleben wir meistens ohnehin an den selben Motiven.
Und solche gab es reichlich. Ihr wißt ja, wo Ihr Euch davon selbst ein Bild machen könnt.

Was ich vermißt habe:
Gutes Essen - einfach mal ein Nudelgericht, nichts Fritiertes oder gebratenes Fleisch, einfach mal ein leckeres Brot mit Nutella zum Frühstück anstatt Muffins oder sonstiges Gebackenes.
Gutes Mineralwasser - vor allem mal mit Kohlensäure.
Im Bad fehlten Sparspülungen, Klobürsten und mehrlagiges Toilettenpapier. Scheint alles unbekannt zu sein. Es gab aufgrund der hohen Stockwerke nur wasserreiche Starksogstrudel (im Geräuschpegel vergleichbar mit Vakuumtoiletten im Fluzeug), Saugglocken und Toilettenpapier, dass nicht mal die Dicke eines Kleenex' erreichte.

Aber das waren keine Widrigkeiten, die irgendwie Einfluß auf die Urlaubsqualität genommen hätten. Das waren höchstens Kleinigkeiten, die einen trösteten, als man wieder nach Hause musste. Darauf ein gutes Rosbacher.