Freitag, 31. Juli 2009

Urlaubs-Serendipity

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Ich habe ja die von vielen belächelte Angewohnheit, im Zuge jeglicher Urlaubsvorbereitung thematisch zum Reiseziel Bücher zu lesen, Filme zu schauen und Musik zu hören. Nicht ausschließlich, aber schon sehr fokussiert.

Das hat den Vorteil, dass man nicht nur die Vorfreude auf das gewählte Urlaubsziel schürt, sondern tatasächlich einen sehr guten Einblick in die Mentalität eines Landes erhält. Denn was ist ein Land anderes als seine Menschen in ihrer Umgebung und wie kann man besser etwas über diese erfahren, als über ihre Kunst und Kultur?

Jedenfalls habe ich im Zuge der Vorfreude auf den bald anstehenden Kalifornien-Nevada-Arizona-Urlaub mir Filme (noch mal) angeschaut wie "Flucht aus Alcatraz" (interessant), "L.A. Story" (90er-Jahre-Witzigkeit), "Chinatown" (Nicholson ist immer gut) sowie "Bullitt" (ein Klassiker) und "Von Mäusen und Menschen" (so traurig). Außerdem Horrorfilme, äh Dokumentarfilme über die Flora und Fauna des Grand Canyon und alte Klassiker aus dem Gangster-Filmgenre mit James Cagney. Es sind noch "Die Straßen von San Francisco" auf der Liste, die ich aber leider nirgendwo auftreiben kann.

Ich habe mir mal wieder "alte kalifornische Musik" angehört, natürlich Lieder von "The Doors", "Janis Joplin" und den "Beach Boys" und Lieder wie "It Never Rains In Southern California" und "Let's Go To San Francisco". "Neue" Musik von der Westküste gibt es natürlich auch zuhauf und hört man sowieso im Radio. Wieviele Bands allein aus L.A. kommen, herrje, dazu gibt es sogar eine Liste in wikipedia. Am präsentesten ist wohl gerade Katy Perry, aber bei aller Liebe zur übertriebenen Beschäftigung mit dem Reiseziel - das geht nun wirklich nicht.

Meine Favoriten sind Calexico aus Arizona, die Musik klingt so schön nach Hitze, Weite und Trägheit. Und natürlich die Queens of the Stone Age und Cake. Und der Black Rebel Motorcycle Club und Weezer. Aber meine Hymnen sind California waiting und Arizona von den Kings Of Leon (natürlich). Im Grunde genommen bin ich musikalisch ohnehin schon sehr auf den Westen der USA eingeschossen, da muß ich nicht mehr eintauchen...

Am ergiebigsten und sinnvollsten zur Einstimmung auf das Urlaubsziel ist aber selbstverständlich das Lesen. Sehr empfehlenswert, natürlich auch unabhängig vom Reiseziel, sind Jack Kerouacs "Unterwegs" und John Steinbecks "Früchte des Zorns". Letzteres übrigens eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe.
Derzeit habe ich das amüsante "Las Vegas - Bekenntnisse eines Spielers" von Mario Puzo vor Augen und freue mich schon auf T.C. Boyles neuestes Werk "Die Frauen", das danach dran kommt. Es handelt von dem skurrilen Architekten Frank Lloyd Wright, von dem man einige
Werke in Kalifornien und Arizona bestaunen kann. Boyle ist ohnehin der Lieferant schlechthin für prägende Eindrücke aus der Gegend.

Das Schöne an so einer Fokussierung ist, dass eins zum anderen führt, immer weiter, auch über den Urlaub hinaus. Serendipity. Mein Lieblingsprinzip.

Ich lass mich da gern belächeln.
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Donnerstag, 23. Juli 2009

Mittwoch, 22. Juli 2009

dement auf Probe

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Noch unter dem Eindruck des Mannes im Supermarkt habe ich kürzlich geträumt, dass ich auf dem Nachhauseweg war (in einer mir nur halb bekannten, vom Traum veränderten Stadt) und zwar in die Brigittenstraße. Ich stand an einer Schranke und wartete darauf, dass sie sich nach Durchfahrt des Zuges öffnete, obwohl ich gar nicht wußte, ob ich wirklich die Bahnstrecke kreuzen mußte. Während ich wartete, überlegte ich fieberhaft wie ich in die Brigittenstraße käme.
Wohlgemerkt: Im Traum wohnte ich da. Es war mein täglicher Heimweg und der war plötzlich gelöscht. Das Schlimme war nicht mal, dass ich nicht wußte, wo es lang geht, sondern dass ich wußte, ich müßte es wissen. Es war nicht abrufbar und das quälte mich. Ich bekam Kopfschmerzen von der anstrengenden Suche in meinem Hirn und von der Angst, die die Erfolglosigkeit hervorrief.

Beim Aufwachen war ich froh, mein Gedächtnis wieder zu haben, auch wenn ich in der Wirklichkeit ebenfalls ein paar Aussetzer vorzuweisen habe. Neulich erst habe ich, nachdem ich den Leergutautomaten mit leeren Flaschen gefüttert hatte, vergessen, den Leergutbon ausgeben und auch auszahlen zu lassen. Aber das ist Doofheit, nicht Demenz.

Nach der Brigittenstraße habe ich jedenfalls recherchiert, denn woher mein Unterbewußtsein diese Assoziation hat, ist mir gar schleierhaft. Ich lese weder die Brigitte noch kenne ich eine Brigitte. Also, vielleicht will mir der Traum was damit sagen, vielleicht ist es ein Fingerzeig, ein Hinweis auf meinen weiteren Lebensweg!
Es gibt eine Brigittenstraße in Geldern bei Kleve, in Paderborn und in Hamburg, Sankt Pauli.
Man darf gespannt sein.
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Freitag, 17. Juli 2009

sich nur das Wichtige merken

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Im Tengelmann hinter mir an der Kasse steht ein alter Mann mit - wie aus ihrem Dialog hervorgeht - seiner Betreuerin. Denn der Mann scheint dement zu sein.
Als seine Begleiterin die Einkäufe aus dem Korb nimmt und aufs Band legt, nimmt der Mann sich die Alditüte in seiner Hand vor und räumt die darin befindlichen Einkäufe ebenfalls aufs Band. Seine Begleiterin erklärt ihm, dass das nicht nötig sei, da sie diese Sachen ja eben im Aldi gekauft und bereits bezahlt hätten. Der alte Mann hält inne und brummelt etwas unverständliches. Kurz darauf will er fortwahren, die Aldi-Einkäufe aufs Band zu legen.
Es ist erschütternd. Der Aldi ist direkt gegenüber vom Tengelmann und der Einkauf bestimmt erst 5-10 Minuten her.

Die Betreuerin hält den Mann liebevoll zurück, erklärt ihm erneut den Sachverhalt und zeigt ihm den Kassenbon vom Aldi. Der Mann wirkt beschämt. Die Betreuerin merkt das und um die Situation aufzulockern, sagt sie neckend "Na, Herr X., Sie sind heut nicht so gut drauf was?"
Da reckt der alte Herr sein Kinn und meint stolz: "Nein, ich kenne mich damit nur nicht aus, mit Einkaufen. Das ist Frauensache."
Ich muss schmunzeln. Die Betreuerin stimmt ihm zu: "Ja, das hat früher immer ihre Frau gemacht, nicht wahr?" Der Mann nickt nur langsam und sein Blick verliert sich ins Leere. Und da muss ich auch schon wieder aufhören zu schmunzeln.
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Sonntag, 12. Juli 2009

so wird das schwere Kreuz ein leichtes

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Es ist Synthie Poprock, es klingt wie eine Mischung aus Jimmy Somerville, Yazoo und hm, Carly Simon. Klingt komisch, ist aber gut. Die Rede ist von der Musik von Gossip und nicht nur dem Kracher "Heavy Cross", sondern der ganzen Platte "Music for men".
Unbedingt mal reinhören.

Eure Penjelly

P.S. Wer die Gold-Glitter-Optik des Videos nicht mag, soll sich eben die Augen zuhalten.
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Donnerstag, 9. Juli 2009

Musikalisches Druckmittel

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Jeder hat schon mal erlebt, dass er nicht zu seinem Recht kam.
Man wird in irgendeinem Zusammenhang ungerecht oder gar schlecht behandelt, etwa von der Telekom, 1&1, Premiere, Hermes, um nur mal aufs Geratewohl ein paar Beispiele zu nennen, und hat wochen- oder monatelang darum zu kämpfen, entschädigt zu werden, sein Geld zurück zu bekommen oder seine Ware, oder was auch immer. Wochen und Monate voller entnervender Telefonate, langer Briefe, rumgetragenen Grolls, fokussierter Diskussionen und der Verzweiflung des David, der seine Steinschleuder verlegt hat und Goliath nicht zeigen kann, wo's langgeht.

Öffentlichmachung ist häufig ein probates Mittel gegen das Ignoriertwerden. Unser einem bleibt da nur das Bloggen oder WISO - über die zu erreichenden Effekte muss nichts weiter gesagt bzw. geschrieben werden.
Hat man aber das Talent ein Lied über das einem widerfahrene Unrecht zu schreiben, die Mittel und Wege, auch noch ein Video dazu zu gestalten und bei youtube damit für Aufmerksamkeit zu sorgen, kann das die Wiedergutmachung schon mal beschleunigen.

So geschehen durch Dave Carroll, der nach entnervten Wochen des Streitens mit der Fluggesellschaft United Airlines genau mit der Sache ins Feld zog, für die er Schadensersatz haben wollte: mit einer Gitarre.
Nachdem er seine Leidensgeschichte vertont und veröffentlicht hatte, wurde die Wiedergutmachung prompt zugesichert.

Das Lied ist keine große Kunst, das Video ganz putzig, es erzählt den Ablauf des ganzen Dilemmas. Recht gut ist vor allem aber der Schachzug:
United breaks guitars

Ich freue mich jetzt schon auf meinen Flug mit United im September. Ich reise zwar nicht mit Instrument, aber vielleicht ist United ja eie Quelle der Inspiration.
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Sonntag, 5. Juli 2009

Kleine, aber estaunliche Bilderreihe

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Was es alles gibt.

Kürzlich beim Wanderurlaub im schönen Allgäu habe ich folgendes Versandhaus (nicht für mich) entdeckt:
"A Gwand vom Sepp" gibt es für alle Lebensabschnitte der Frau.



Für die jugendliche Unschuld...




... die Frau auf Gattenfang...
... die erfolgreiche Braut... (der Sepp selbst braucht kein Gwand)
... bis (direkt) hin zum fröhlichen Lebensabend:Jo mei!
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Mittwoch, 1. Juli 2009

Summer in the City-Park

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Während des Anstehens nach einer Wurst im Günthersburgpark beim Stoffel....

Die Schlange ist lang und bahnt sich durch zahlreiche Grüppchen, die auf der Wiese sitzen und auf das Abendprogramm warten. Ein Mann, der kreuzen möchte und nicht um die Schlange drum herum laufen, schlüpft mit seinem Glas Wein durch eine Lücke und läßt sich ein paar Meter weiter auf der Wiese nieder. Zu seiner knielangen Hose trägt er schwarze Lederschnürschuhe. Mir sträubt sich das Nackenhaar trotz der Hitze.

Und so wende ich mich ab und beobachte einen anderen Mann, der an einem Bistrotisch sein bereits ergattertes Würstchen verspeist. Ein Windstoß weht seine Serviette vom Tisch. Er merkt, dass viele in der Schlange ihn ansehen und bückt sich pflichtbewußt, um sie aufzuheben. Dabei rutscht ihm sein Pulli von den Schultern und fällt zu Boden, und weil er versucht, ihn noch im Fallen zu fangen, läßt er auch noch die zweite Serviette los, die er in der Hand hält. Nun liegen Pulli und zwei Servietten im Gras, letztere gerade im Begriff, von einem weiteren Windstoß aufgewirbelt zu werden. Unwirsch hebt der Mann alles auf und legt es auf den Tisch, allerdings ohne die Servietten zu beschweren... Er schaut zur Reihe Menschen vor ihm, ich schaue weg.

Mir fällt eine Frau auf, die gerade telefonierend über die Wiese kommt. Ihr rotes Haar leuchtet in der Abendsonne. Sie trägt Lederschnürschuhe zur Sommerhose. Noch so eine! denke ich und wundere mich über nichts mehr, als sie den Schnürschuh-Mann begrüßt und bei ihm Platz nimmt.

Erneut wende ich mich ab und verfolge mit meinem Blick zwei Altpunks, die über die Wiese wackeln. Wirklich wackeln. Offensichtlich haben beide nicht mehr die gesündeste Muskelkoordinationfähigkeit, jedoch generell, nicht akut. Einer von ihnen trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift "Still not loving the police". Beide grinsen debil und laufen von Grüppchen zu Grüppchen um den Leuten ihre leere Pfandflaschen abzuschnorren.

Die Schlange vor mir wird kaum merklich kürzer. Es zieht sich. Nicht mal Programm zur Unterhaltung gibt es, dafür ein Soundproblem. Eine Frau auf der Bühne spricht permanent einen Test-Text, aber das Problem scheint nicht lösbar. Schließlich gibt die Sprecherin auf und rät den Zuhörern "Naja, dann machen Sie solange noch was anderes, holen sie sich doch eine Wurst".
Yo.