Montag, 30. November 2009

Bike&Burger

.
Eines der schönsten Erlebnisse des Kalifornien-Urlaubs dieses Sommers war mit dem Rad über die Golden Gate Bridge zu fahren. Nicht nur, weil ich zur Zeit Krücken habe und an Radfahren nicht zu denken ist, kommt mir diese Tour rückblickend besonders schön vor. Es war windig, es war kühl, es war neblig und klamm, aber es war total toll.
Wer mehr davon sehen will, kann das hier tun.

Nach der Fahrt haben wir uns einen Burger bei Johnny Rockets gegönnt. Dort ist ein Burger ein richtiger Burger, also nicht vergleichbar mit dem, was man in bekannten Fast Food-Ketten erhält, sondern ein leckerer Burger. Leider gibt es aber, im Gegensatz zu den zahlreichen MacDonalds-Filialen an jeder Ecke, hierzulande nur einen einzigen Johnny Rockets - den einzigen in Europa überhaupt. Man findet ihn bei der Ramstein Air Base. Aber macht das diesen Ort einen Ausflug wert?
Mit "Ramstein und Johnny Rockets" versaut man sich bestimmt bloß die Erinnerung an "Golden Gate Bridge und Johnny Rockets", also gibt es Burger für mich erst wieder, wenn ich erneut in die USA reise. Wer sich aber zufällig in Ramstein rumtreibt und was Leckeres zu essen sucht, dem sei dieser Laden ans Herz gelegt.
.
.

Samstag, 28. November 2009

Hallo Welt

.
Während der OP schlug ich die Augen auf, die Schwester beugte sich über mich und sagte "Sie ist wach". Der Anästhesist beugte sich über mich und sagte "Ah, ok." Und schon war ich wieder weg.

Das nächste was ich wahrnahm, war die Stimme der Arzthelferin, die durch einen Vorhang fragte "Hier ist ein junger Mann der zu Ihnen will, darf der rein?"
"Klar" sagte ich, wobei mir klar wurde, dass ich gar nicht sehen konnte, ob es wirklich der ist, den ich erwartete. War noch so in Egal-Stimmung.
Und es war auch der Richtige.

Operation gelungen, Patient rot (vor Jod).
.

Mittwoch, 25. November 2009

Firlefanz in Florenz

.
Aktuell läuft im Frankfurter Städelmuseum eine Botticelli-Ausstellung. Da werde ich mit meinen Mädels hingehen, sobald ich wieder krückenfrei laufen kann, in Erinnerung an den gemeinsamen Urlaub in der Toskana, bei dem wir die Uffizien in Florenz besuchten und uns "Die Geburt der Venus" ansahen.
Vor den Uffizien bilden sich stets immens lange Schlangen und darum wissend haben wir damals die Eintrittskarten schon frühzeitig besorgt. Anstehen mußten wir dennoch, weil auch der Andrang der Kartenfrühbesitzer schon so groß war, dass man nicht etwa einfach durchgehen konnte. Und während wir da so in der Schlange standen, schlenderten zwei Damen des Wegs, von denen die eine erstaunt fragte, was es denn hier wohl gäbe, wo hier doch so viele Menschen stünden, woraufhin die andere an den Uffizien hochsah, abwinkten und sprach "Nah, it's just art." Woraufhin beide desinteressiert weiter schlenderten.

Ich fand die Venus schön. Habe mir sogar einen Button (!) mit ihr drauf gekauft. Was es eben inzwischen alles so gibt in Museumsshops. Hätte sich Botticelli sicher auch nicht träumen lassen. Willkommen in Frankfurt.
.

Sonntag, 22. November 2009

Schmauchspuren

.
Ich war in Yosemite und bin nicht gewandert, dabei ist dieser Nationalpark ein reines Wanderparadies. Ich war am Grand Canyon, aber ich nicht im Grand Canyon, denn ich habe den Abstieg nicht gemacht.
Es ist eine Schande, aber es lag nicht etwa daran, dass ich zu faul gewesen wäre, sondern daran, dass ich nicht richtig laufen konnte. Schuld waren die Schmauchspuren.

In der "Gebrauchsanweisung für Kalifornien" habe ich gelesen, dass die Briefkästen auf Höhe des Autofensters angebracht sind, damit man nicht aussteigen muss. Ich war also vorbereitet. Wahrscheinlich kennt auch nahezu jeder diese Witzmails mit absurden Bildern, von denen eines ein Fitneßstudio in Kalifornien zeigt, zu dessen Eingang eine Rolltreppe führt. Bloß, dass dieses Bild kein Witz ist. Sogar im Dodgers-Stadium in L.A., wo ich in der einen Minute noch darüber witzelte, dass man dort verwunderlicherweise noch keine Rolltreppe installiert habe, entdeckte ich in der nächsten Minute doch noch eine.

In den Nationalparks führt zu sämtlichen malerischen Ausblicken eine Straße, so dass man alles gemütlich mit dem Auto abfahren kann, ohne über Wanderschuhe auch nur nachdenken zu müssen. (Ich mußte fast auf dem Rückflug Angst haben, dass der Zoll behaupten könnte, meine Wanderschuhe seien noch ganz neu, bestimmt in den USA gekauft und müßten versteuert werden.)
Die ganzen wundervollen Naturschönheiten habe ich also dennoch genießen können, eben wie sie jede gebrechliche Oma und jeder gehbehinderter Mensch in Kalifornien genießen kann: indem ich überall bis ganz nah ran gefahren wurde. Nun ist das trotzdem nicht unbedingt erstrebens wert, denn es bleibt doch etwas anderes, wenn einen die eigenen Füße seinen Weg machen lassen. Dennoch kam es mir zugute, dass man auch am Grand Canyon mit einem Hop-on-hop-off-Bus zu den Aussichtspunkten gefahren wurde, wenn schon das eigene Auto nicht erlaubt war. Viel laufen konnte ich nämlich nicht und schon gar nicht irgendwo rumklettern, da mein Großzehen-Grundgelenk (Gro-Gru) nicht nur so geschwollen war, dass ich ohnehin in keinen Wanderschuh gepaßt hätte, sondern es auch ungemein schmerzte.
Ich war also einerseits dankbar, dass die Urlaubsplanung nicht völlig platzte, und zwar den Kaliforniern, weil sie darauf vorbereitet waren, dass Menschen nicht laufen.
Und ich war andererseits ganz und gar undankbar, dass mein Gro-Gru mir einen so schmerzhaften Urlaub bescherte, und zwar meinem Orthopäden gegenüber, den ich als Verantwortlichen im Verdacht hatte.

Wie sich nach dem Urlaub rausstellte, litt mein Gro-Gru unter Schmauchspuren, die sich in ihm breit machten. Den Befund in Händen sagte ich meinem Orthopäden, dass sich mein Fuß auch tatsächlich anfühle, als hätte jemand reingeschossen, woraufhin er mir versicherte, dass er die OP vor drei Jahren so nicht durchgeführt hätte.
Fakt ist jedoch, dass die Schraube, die er damals in mein kaputtes Gelenk gedreht hat, sich bewegt hat und daher ein paar hübsche Spuren hinterlassen hat, die ich allerdings vielmehr als "Schmachspuren" denn als Schmauchspuren bezeichnen würde, da sie zur Schmach meines Orthopäden gereichen.

Nächste Woche operiert übrigens eben jener Orthopäde mein Knie. Je nach Resultat sollte man doch mal prüfen, ob er nicht mit der amerikanischen Tourismusbehörde zusammenarbeitet.

Hier nun ein Foto, für das ich mich ca. 20m vom Auto wegbewegen mußte:


"Die Landschaft erobert man mit den Schuhsohlen, nicht mit den Autoreifen."
(George Duhamel)
.
Eigentlich...
.

Freitag, 20. November 2009

Ein Satz zur Zensur

.
Ich möchte klarstellen, dass mein Blog neuerdings nicht etwa einer diktatorischen Zensur unterliegt, die eine möglicherweise andere, in Kommentaren kundgetane Meinung meiner lieben Leser über Musik unterdrücken würde, sondern dass die Kommentare auf meinen letzten Blogeintrag leider gar nichts mit Musik zu tun hatten und auch nicht von Lesern kamen, sondern vielmehr aufgrund einer bestimmten Wortwahl im Text, die ich nicht noch einmal wiederholen werde, in V i a g r a-Werbung bestanden und daher aus ästhetischen Gründen aus dem Kommentarfeld entfernt wurden.
.

Freitag, 13. November 2009

eher down als up

.
Es gibt ja nicht nur Dickebackenmusik, es gibt ja auch Nervbackenmusik.
Momentan ist mein persönliches Radio-Nervlied "Jump Rope" von Blue October.
Das ist dieses Lied, in dem es immer up down up down up down yeah geht und soeben hat der Moderator explizit erwähnt, von wem das Lied ist, weil so viele Leute nachfragen würden. Dabei ist das Lied nicht nur anspruchslos, was nicht schlimm wäre, solange es trotzdem einfach schön oder lustig wäre oder gute Laune machen würde. Stattdessen nervt es.
Eine weitere Alltagsfliege, dachte ich. Wenn man schon Blue October heißt! Aber diese Band gibt es schon seit 1995. Und trotzdem fällt ihnen kein besserer Text ein als:
Up down
Up down
Up down
Up down yeah
Cause it will get hard
Remember life's like a jump rope

Habe mir gerade das Ganze mal live angesehen (nein, es gibt hier keinen Link, genug der Selbstkasteiung) und da sagt doch der Sänger nach der Liedzeile "Cause it will get hard" tatsächlich ganz bedeutungsschwanger "I swear it's getting hard".

Ja, das finde ich auch. Das ist echt hart.
.

Dienstag, 10. November 2009

Partner für Pah-Rimpi

.
Das Mauerfalljubiläum wurde gestern ja nicht nur in Berlin gefeiert, sondern u.a. auch in Los Angeles. L.A. ist die Partnerstadt von Berlin, da gehört sich das so. Außerdem gibt es in L.A. tatsächlich ein Wendemuseum, das zu besuchen ich leider beim kürzlichen Kalifornien-Urlaub nicht die Zeit hatte.
Dafür aber war ich in Pahrump, der häßlichsten Stadt der Welt (gemessen natürlich an dem, was ich bisher von der Welt gesehen habe und gemessen an meiner Vorstellung von Häßlichkeit in Bezug auf Städte).

Pahrump ist schon kein sehr klangvoller Name, auch nicht in seiner ursprünglichen Form, so wie die Shoshonen die Siedlung nannten: Pah-Rimpi. Aber man will ja keine Vorurteile haben. Und wenn man auf dem Weg von Furnace Creek in Death Valley nach Las Vegas ist, muss man nun mal durch Pahrump...

Gleichgültig haben wir uns dieser Stadt genähert, nur eine weitere Stadt auf der Route. Das Einzige was ich mir von dieser Stadt erwartete, war (mal wieder) die Möglichkeit, mich irgendwo zu erleichtern. Aber schon am Ortseingang erhielt die Stadt ein Gesicht, das Gesicht eines Mannes, der wegen Mordes an der Kassiererin eines Ladens in der Stadt gesucht wurde. Wir fuhren an zahlreichen großen Reklametafeln am Wegesrand vorbei, auf denen immer das Gleiche zu sehen war, nämlich dieses Gesicht.
Folgte man der Straße, sah man Ansammlungen von Trailern, trostlose Flachbauten, kaputte, rostige Laster und kam schließlich zu einem McDonalds. Dort hielten wir und nur die Dringlichkeit brachte mich dazu, auf dem Weg zur Eingangstür die Gruppe zwielichtiger Gestalten zu kreuzen, die vor einer ebenso zwielichtigen Videothek lungerte. Zu diesem Zeitpunkt war mir schon mulmig. Als wir bei der Weiterfahrt an einigen B-Casinos und dann an der "Chicken Ranch" vorbeikamen sowie an einem Schild, das zum Bordellmuseum führte, bekam die Stadt noch mehr einen ganz eigenen Charakter.

Ich rechnete jeden Moment damit, in eine "Ich fahr dir in dein Auto rein, schleppe falsche Zeugen an und verklag Dich"-Falle zu geraten, als der Inhalt der großen Reklametafeln am Straßenrand wechselte und nun statt dem Mörder eine Flut von schmierigen Anwälten damit warben, bei einem Autounfall gegen Bares ganz unbürokratisch zu helfen.
Fast schien es, als wäre das die Haupteinnahmequelle der Stadt, als sei Pahrump das Auffangbecken für zweitklassige Anwälte und die Hauptbühne für inszenierte Unfälle. Aber Bordelle wie die "Chicken Ranch" und die Casinos werden wohl doch lukrativer sein. Denn Pahrump liegt direkt hinter der Grenze zu Nevada, dem gesetzlosen Staat, und ist, von Kalifornien kommend, die erste Anlaufstelle für alles was nicht ganz koscher ist und was man woanders in den USA nicht darf.
Aber natürlich ist Pahrump auch gut für das was man überall sonst in den USA auch darf: Waffen kaufen. So mehrten sich am Ortsausgang die Gun Shops ebenso wie die Gefühle der Erleichterung aus dieser Stadt wieder rauszufahren.

Das einzig Schöne an Pahrump war die Landschaft drumherum.
In welcher übrigens im Film "Mars Attacks!" die Marsianer landen, wie ich zufällig wenige Tage später feststellte, als der Film nachts über den Hotelfernsehbildschirm flackerte.
Darf man sich gar nicht vorstellen, dass endlich Wesen von einem anderen Planeten zu Besuch kommen und dann ausgerechnet in einem Moloch von Mörderbuben, schmierigen Truckfahrern und korrupten Anwälten landen.... Mir erschien der Film, bzw. das Verhalten der Außerirdischen, nun da ich in Pahrump war, gar nicht mehr so abgedreht.

Nun, Berlin hat L.A. - und Pahrump? Ob dieser Ort eine Partnerstadt hat? Man achtet bei so einer Verpartnerung auf Gemeinsamkeiten, oder nicht? Ok, ich mag Berlin sehr gerne und fand L.A. ganz schön mies, aber die Gemeinsamkeit besteht hier eben vor allem in der Kooperation im Bereich Film & Fernsehen. Das ist ein Grund.
Die Gründe, Pahrump zur Partnerstadt zu haben, wären recht speziell. Aber jedes Töpfchen hat sein Deckelchen. Also:
Nach obiger Beschreibung - welche deutsche Stadt käme als Partnerstadt in Frage?
Vorschläge werden jetzt entgegengenommen.
.

Donnerstag, 5. November 2009

Wortwahl

.
Mein ehemaliger Professor, Prof. Dr. Schlosser von der Uni Frankfurt, sammelt nun schon seit 1991 deutschlandweit jährlich Vorschläge für das jeweilige Unwort des Jahres, das dann von einer Jury aus all den Vorschlägen gewählt wird.
Platz 1 belegten schon so schöne Ausdrücke wie "Humankapital", "Überfremdung", "Rentnerschwemme" und zuletzt "notleidende Banken".

Bis Januar 2010 können noch Vorschläge für das Unwort des Jahres 2009 abgegeben werden. Auch wenn ich jetzt schon darauf tippe, dass "erweiterter Suizid" (für Amoklauf) das Rennen machen wird. Fände ich auch keine schlechte Wahl. Mein Vorschlag "Außenminister Westerwelle" würde bestimmt ohnehin nicht akzeptiert.


Solltet Ihr noch das ein oder andere Bonmot, äh, Malmot des vergangenen Jahres im Gedächtnis haben, dann nur zu: Hier könnt Ihr es vorschlagen.
.

Dienstag, 3. November 2009

ich melde

Heute lief um 9:22 Uhr "Tainted Love" von Soft Cell auf Radio BOB.