Mittwoch, 24. Februar 2010

Das hier geht (mich nichts) an

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Liedern, die den Ausdruck "Das hier geht an" o.ä. enthalten, ist die Selbstüberschätzung quasi schon immanent. Irgendwie peinlich, der lasche Versuch eine vermeintlich große Botschaft zu übermitteln. Da hilft nur abschalten.
Beispiele sind "Das hier geht..."
- an alle Krieger des Lichts (Silbermond)
- raus an alle Spinner (Revolverheld)

Und spätestens an dieser Stelle wird klar, dass ich, während ich krank zu Hause bin, einfach wieder zu häufig zu schlechtes Radio höre...
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Dienstag, 23. Februar 2010

one republic - one archetype

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Ich bin so gelangweilt von diesem pathetischen, hymnischen "laßt uns alle aufstehen und inbrünstig mitsingen", ewiggleichen Songmuster von One Republic, dass ich mir wünschte, der Name ihres prominenten Fans Til Schweiger wäre allmählich mal Programm.
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Freitag, 19. Februar 2010

Pen und Pod

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Vor ein paar Tagen hatte ich die dritte Vollnarkose innerhalb von 5 Monaten. Man wird trotzdem nicht süchtig danach. Soll ja tatsächlich Leute geben, die drauf stehen. Ich kann jedoch diesem Kontrollverlust, dem man im wahrsten Sinne des Wortes ohnmächtig gegenüber ist, einfach nichts abgewinnen. Der Anästhesist kann noch so nett sein (und das war er), es ist einfach nicht schön, wenn er einem sukzessive was in die Venen fließen läßt und dazu immer wieder sagt "Tief einatmen, sie schlafen jetzt ein". Ich fühl mich jedes Mal, als würde er sagen "Atmen sie noch ein letztes Mal, dann ist es vorbei". Klingt mehr nach Euthanasie denn Anästhesie.
Jedenfalls sollte es das dann auch erst mal gewesen sein und es besteht die Hoffnung, dass aus "Penjelly plaudert" doch kein Seniorenblog wird, in dem es nur um Kniearthrose und Gelenkwärmer, Rückenschmerzen und Rotlichtlampen, Wärmflaschen und Voltaren geht.
Oder auch mal um Schmauchspuren (Miss Marple war ja auch ne Omi).
Die Schraube, die bei mir locker war, wurde jedenfalls entfernt. Meinem Fuß scheint das bisher zu gefallen, allerdings kam er noch nicht richtig zu Wort, da er noch in einem schicken Post-OP-Schuh steckt, einer kleidsamen Sandale, die an Ritter Sport erinnert, ohne dabei sportlich zu sein.

Da Musik die beste Heilung ist, hab ich mir nach dem Operationsmarathon nun einen gegönnt.
Er ist orange und ich liebe es, ihn zu schütteln und mich überraschen zu lassen. Ich habe nur große Angst, ihn zu verlieren, da er so wahnsinnig klein und zierlich ist. Er fasziniert mich. Ich nenne ihn Podjelly.
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Montag, 15. Februar 2010

Baby Boom

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Wenn die Kleinen groß werden, das verfolgt man schon mit Interesse. Deshalb heute ein paar Neuigkeiten zu"meinem Baby". Jaja, zugegeben, von mir stammt nur die Eizelle; Schwanger gegangen, ausgetragen und geboren haben es andere, nämlich das Antipreneur-Team.

Jedenfalls geht der Milchmädchenrechner nach seinem großen Erfolg - siehe etwa hier und hier und hier und hier und hier - nun in die zweite Auflage. Er hat eine neue Taste (die einem ein X für ein U vormacht) und einen neuen Weg vor sich. Und er wird international, der kleine Milkmaidcalculator. Sogar unsere Schweizer (Ex-)Freunde haben ihn entdeckt, siehe hier.

Wer hätte damit gerechnet.
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Montag, 8. Februar 2010

Ein riesiger Fön mit Pool

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Morgen soll es ja schon wieder schneien. Vielleicht auch erst übermorgen. Sicher aber ist, dass der Schnee sich noch nicht geschlagen gibt. Kein k.o., der steht noch mal auf, der kommt noch mal. Die Sonne dagegen schwächelt, kann sich nicht durchsetzen. Wo ist dieKraft, die sie im Death Valley gezeigt hat? Ich erinnere mich gern an das Gefühl, mich in einem riesigen Fön zu bewegen, nur in Begleitung des Liebsten, eines Belgiers, eines Argentiniers, eines Kanadiers, eines netten Verrückten und eines Skorpions.Nein, keine Sorge, einen Hitzewahn habe ich lange nicht mehr, denn kaum zurück aus dem Death Valley begannen hierzulande ja die neulich erwähnten hundert kalten Tage.
Tatsächlich ist mir rückblickend die Erinnerung an das Tal des Todes die klarste und liebste des Urlaubs. Was einfach daran liegt, dass es so ziemlich die einzige Zeit während unseres Aufenthaltes war, in der wir weitestgehend auf uns gestellt waren. Keine Führung durch Schilder oder Ranger oder Reiseführer, kein sicheres Terrain, kaum Stützpunkte. Viele, viele Meilen war da nichts. Nichts ausser Hitze, Weite, Gestrüpp und der Abwesenheit von Asphalt. Es war sozusagen ein bisschen abenteuerlich. Die Tatsache, dass es deshalb das einprägsamste Erlebnis war, zeigt wonach man sich wohl eigentlich sehnt. Nach etwas Unabhängigkeit - nach all den Wegen von denen man nicht abweichen darf und all den vorgegebenen Vistapoints und scenic views.
Allerdings auch nur so lange, wie man allein klar kommt... Was im Death Valley schon mal ganz schnell vorbei sein kann.
R. und ich waren von Big Pine aufgebrochen und schon ein Stück die 168 gefahren, auf der es schon sehr einsam und heiß zuging, als uns ein Radfahrer entgegen kam. Ich konnte es nicht glauben - bei dieser Hitze in dieser menschenleeren Gegend mit dem Rad zu fahren! Und noch dazu ganz in Schwarz. Ich tippte mir mit dem Zeigefinger an die Stirn. Bis wir der Sache, bzw. der Person näher kamen und sie als Lance Armstrong identifizieren konnten, dem in einigem Abstand dann auch ein Trainingswagen folgte. Kein Witz. Allerdings hatten wir gerade beide die Kamera nicht zur Hand und haben davon abgesehen zu wenden und ihn zu verfolgen.

Lance war die letzte Person, die wir für die nächsten 1,5 Stunden zu Gesicht bekamen. Wir fuhren ins Death Valley und fuhren und fuhren und dann, als bald das Schild "Pavement ends" kam, da holperten wir und holperten und holperten. Als ich mich erleichtern mußte, hielten wir an und als ich neben der Straße hockte, tauchte hinter der nächsten Kuppe ein Auto auf. Natürlich.

Aber man kann weit sehen im Death Valley und deshalb dauert es auch noch eine Weile bis das Auto bei uns war. Darin saßen ein Belgier, ein Argentinier und ein Kanadier und sie fragten uns nach dem Weg. Wir wunderten uns zunächst ein bisschen, dass man sich so schnell verfahren kann, wenn man noch gar nicht tief drin ist im Valley. Bis wir gemeinsam die spärlichen Karten, die es von der Gegend gibt, studierten und feststellten, dass es tatsächlich nicht so einfach ist, sich selbst zu orten. Es gab Pfade, die auf der Karte nicht zu finden waren und auf der Karte gab es Wege, die man nicht fand. Oder so ähnlich.

Die Verzweiflung der drei Jungs rührte daher, dass sie aufgrund der Waschbrettstraße bereits einen Platten gehabt hatten und nach dem Reifenwechsel in der sengenden Hitze aus Unsicherheit wieder umgekehrt waren. Es galt abzuwägen, ob es nun riskanter war, weiter zu fahren oder den bereits bewältigten Weg wieder zurück zu fahren. Wir beschlossen, dass wir gemeinsam, uns gegenseitig ein Gefühl von Sicherheit spendend, weiterfahren würden. Wir wollten ja unbedingt durchs Valley. Also holperten wir jetzt im Konvoy und schlängerten uns um Schlaglöcher und durch Sandsenken. Wir tranken viel und wir mussten oft anhalten (wegen mir).

Hinter uns und vor uns lag eine lange gewundene Schnur Straße, die man nicht so nennen konnte. Im Death Valley begegnet man manchmal tagelang niemandem, heißt es. Wir aber begegneten schon bald einem weiteren Menschen. Ein Pick-Up kam uns entgegen, aus dessen Fenster sich ein Mann lehnte und rief "Ahh, other Earthlings!" Er selbst war seit Stunden gefahren, ohne jemandem zu begegnen und auf unsere Frage, ob es weit sei bis zu unserem Ziel und ob die Straße noch mal eine Straße würde, antwortete er, dass es nicht mehr weit sei, nur noch 16 Meilen und dass das Ganze auf einer "Straße" ja wohl kein Spaß wär. Dann lachte er laut und fuhr weiter.

Wir auch. So lange, dass ich mich frage, ob er nicht 60 Meilen statt 16 Meilen gesagt hat. (Ich bin mir bis heute nicht sicher.) Wir brauchten noch fast drei Stunden bis zum Ziel. Drei Stunden ohne Asphalt, in der ständigen Erwartung, dass einem gleich die Reifen um die Ohren fliegen. Mit feinem Staub überall auf dem Gepäck. Mit durchgeschüttelten Gliedern und einer seltsamen Apathie. Mit einem Blick auf den Wasservorrat und der Frage wie lange er wohl reichen würde, wenn...
Trotzdem war es herrlich. Ohne das schützende Autodach über dem Kopf hielt man es draußen, bei den Pinkelpausen, nicht lange aus, weil einem das Hirn weggebruzzelt wurde. Aber die wundervolle heiße, trockene Luft wärmt mich noch in der Erinnerung.

Ihren ganzen Reiz enthüllte sie als wir am Abend in Stovepipe Wells ankamen, einer kleinen Wegstation im Valley und dort tatsächlich ein kalter Pool auf uns wartete - mitten in der Wüste. Absurd natürlich. Unbeschreiblich aber das Gefühl, nach diesem Tag, dieser Fahrt, diesem Staub und dieser Hitze ins Nass zu springen.
Vom Pool zur Baracke, unserem Schlafplatz, liefen wir in Badelatschen und der Gedanke an kleine fiese Tiere im Sand trippelte mir durch den Kopf und kaum dass ich ihn dachte, wurde er von einem Skorpion gefolgt, der gerade Kurs auf unsere Tür hielt. Wir schlugen sie ihm vor dem Stachel zu. Sie war glücklicherweise extra dicht, so das nirgends etwas durchfleuchen konnte. Im Bad überprüfte ich dennoch die Falten in den Handtüchern auf Bewohner und schlief dann auch etwas unruhig. Was allerdings hauptsächlich an der Hitze und dem Lärm der Klimaanlage lag.

So, also bei mir hat's funktioniert. Mir ist jetzt warm. Von mir aus kann es schneien, ich hab meine Erinnerung. Für Euch hier noch ein paar Fotos.

Finde die Straße.













Drei-Nationalitäten-Auto
















Der schönste Pool der Welt.









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Montag, 1. Februar 2010

Voodoo

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Morgen soll es ja wieder schneien. So wie heute. Als ich heute morgen mit meiner morgendlichen Tasse Tee vorm Fenster stand und hinausblickte, erinnerte ich mich an einen Tag vor langer Zeit, als ich ebenfalls den Schneeflocken zuschaute, den ersten dieses Winters, und verzückt ausrief: Es schneit, es schneit!
Da ich meistens keine Autofahrerin bin, habe ich diese Verzückung auch noch nicht ganz verloren, aber so richtig überzeugend kann auch ich diesen Ausruf nicht mehr rüberbringen. (Er klingt mehr wie „Ein Klavier, ein Klavier“ bei Loriots bekanntem Sketch).
Jedenfalls habe ich heute Morgen gedacht: Mann, es schneit sicher schon seit 100 Tagen. 100 Tage Weiß!

Dann nahm ich die Zeitung zur Hand und mir prangt der heutige Titel entgegen: 100 Tage Schwarz-Gelb. Achso. Und dann fällt es mir wie Schnee, äh Schuppen von den Augen: Da besteht sicher ein kausaler Zusammenhang!

Also hab ich mal kurz recherchiert. Der erste Schnee dieses Winters in Deutschland fiel in den ersten Novembertagen (in Brandenburg). Der Amtsantritt der neuen Koalition war am 28.10.2009. Das kann kein Zufall sein. Das geht nicht mit rechten Dingen zu. Dahinter muss eine tiefere Bedeutung stehen.
Zumindest ist diese Parallele eine Steilvorlage für Metaphern und Vergleiche: Eine Eiszeit hat begonnen. Deutschland wird lahmgelegt. Vieles wird undurchsichtig. Die Stimmung ist frostig. Usw usw.

Es macht mir ein bisschen Angst. Denn das könnte bedeuten, dass es jetzt noch vier Jahre so weiter geht. Und es reicht ja schön völlig, dass es jetzt vier Jahre so weiter geht, ohne dass es auch noch schneit.
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