Donnerstag, 31. Mai 2007

PMS-Pockel

Fast jede(r) kennt das. Gestern war noch alles in Ordnung und am nächsten Tag hat man, wenn man morgens schlaftrunken in den Spiegel schaut, plötzlich eine dicke Hautunreinheit, sprich einen Pickel an einer exponierten Stelle. Meistens zu einer bestimmten Zeit im Monat...
So mir geschehen. Auf einmal war da ein dickes Ding genau zwischen meinen Augen an der Nasenwurzel. Schmerzhaft, unästhetisch, nicht zu verbergen. Mußte ich zur Arbeit mitnehmen. Meint mein herzallerliebster Kollege zu mir: "Das kann man schon nicht mehr Pickel nennen. Pickel klingt klein und niedlich. Was Du da hast ist ein Pockel!"
Willst Du wissen, ob ich meine Tage bekomme (aus welchem Grund auch immer)? Schau mir ins Gesicht und folge dem Pockel.

Mittwoch, 30. Mai 2007

Blixa Live Cash

"Zahlt ihr in der Kantine etwa immer noch mit Live Cash?" hat R. mich kürzlich gefragt.
Live Cash? Ist wohl das Äquivalent zu Plastic Money, also ein Synonym für Bargeld.
Für mich klingt es nach einem Gewinn bei einer Show auf 9Live, mit Jürgen Milski oder mit einer nur noch halb im Pailletten-Preßwurstkleid steckenden Schrabnelle, der man einen Fluß mit drei Buchstaben nennen soll, der mit I anfängt und mit N aufhört. Dann kann man Live Cash gewinnen. Besser gesagt: Kann man nicht, ist ja alles Schmu...

Dienstag, 29. Mai 2007

Die kleinen Freuden des Alltags... (Folge 3)

... wenn man morgens beim Auftragen der Wimperntusche plötzlich merkt, dass man niesen muß. Man will den Nieser noch aufhalten, indem man sich die Nase zuhält oder mit den Augen rollt, aber man weiß bereits, dass er kommen wird, bevor die Wimperntusche getrocknet ist. Und Hatschi - man traut sich kaum, die Augen zu öffnen und sich das Malheur im Spiegel anzusehen - hat man einen Barcode unterm Auge, den man nie so filigran zeichnen könnte, wenn man das denn wollte.
Allerdings würde mich interessieren, was dabei rauskäme, wenn ich mein Auge nun unter einen Barcode-Scanner halten könnte. Mascara 8,99?

Samstag, 26. Mai 2007

Sportliche Diskriminierung

Auf einer Party am Wochenende outete ich mich als Läuferin, nach dem mir ein Gast beim Essen ausführlich von seinem neuen Lieblingssport erzählte: Power plate. Richtig, Kraftteller.

Das sind diese Dinger, auf denen man nur 10-30 Minuten trainieren muß, um schon einen Effekt zu erzielen. Vibrierende Scheiben auf denen man quasi isometrische Übungen macht, wenn ich das richtig verstanden habe, und durch die Vibration werden aber auch Muskelfasern gestärkt, die sonst nicht so leicht zum Zuge kommen. Ist sicher lustig. Nachdem ich mich also auf die Frage hin, was ich denn so fürn Sport machen würde, als Läuferin geoutet hatte, wurde ich sogleich über die zweite Lieblinssportart des Gastes aufgeklärt: Nordic Walking. Mit der Hybris desjenigen, der meint einem weit voraus zu sein, erzählte er mir herablassend wie er und sein Angetrauter sich beim Walken immer köstlich über die Jogger amüsieren würden, die unappetitliche Keuchgeräusche von sich geben würde und wie Kartoffelsäcke ihre Gelenke malträtieren würden. So so. Ich ließ ihn reden, eine ganze Weile. Als er irgendwann fragte, ob nicht lieber auch walken wollte, gestand ich, dass ich fände, dass das total albern aussehen würde, dieses Gewalke. Und dass alle Läufer die ich kenne, sich immer köstlich über die Walker amüsieren würden, da diese so unglaublich albern aussähen, wenn sie mit den Ellbogen keulten oder gar Stöcke hinter sich herschleiften und meistens dabei auch noch wie Waschweiber quakten. Nicht, dass ich nicht wüsste, dass Walking schonender für die Gelenke ist, aber ich wollte ihn da treffen, wo seine zarte Stelle saß: Der Ästhetik, die er gepachtet zu glauben schien. Prompt verschluckte er sich an einem Stückchen zarten Hühnchenfleisch...

Mich mit Kartoffelsäcken in einen Sack zu werfen! Pah!

Donnerstag, 24. Mai 2007

Vertrauen ist gut....

Mein derzeitiger Arbeitsplatz ist bei unserer Tochterfirma im Odenwald in einem Hochsicherheitsarchiv, das sich das Gebäude mit der Produktion teilt.
Eben dürstete mich.
Im Vorraum mit dem Getränkeautomaten saßen wie immer mehrere rauchende Männern aus der Produktion, die dachten sie müssten einer Frau den Getränkeautomaten erklären (weil: ist ja Technik). Aber immerhin so richtig nach alter Schule, zuvorkommend, nett, hilfsbereit.
Man erläuterte mir, wie ich den Becher in den Kaffeeautomaten zu stellen habe. Wurde dabei selbstverständlich geduzt. Als ich zum Cola-Automaten übergegangen bin (ich musste mich koffeintechnisch eindecken), wurde ich dann interviewt, was in dem Hochsicherheitstrakt eigentlich untergebracht wird. Bin geheimnisvoll geblieben....
Dann wurde ich aufgeklärt, dass der Automat mir gleich Wechselgeld ausspucken würde.
Und ja tatsächlich: Ich war für den Hinweis dankbar und hab dumm geguckt. 70 Cent für ne Cola!
„Mann ist das billig“ hab ich gesagt „bei uns im Betrieb in Frankfurt kostet die Cola 1 Euro.“
Da haben die dann dumm geguckt, das fanden sie krass.

„Läuft alles so’n bisschen anders außerhalb...“ dacht ich mir.Und dann fiel mir auf, dass wirklich was anders läuft, nämlich familiärer: Die zahlen hier einfach kein Pfand an den Automaten. Die Flaschen werden nach dem Durststillen einfach in einen leeren Kasten neben dem Automaten gestellt. Man kennt sich, man vertraut sich. Man muß den Pfand nicht vorstrecken wie bei uns...

Ich nehm jetzt natürlich die Flaschen, die ich hier am Automaten kaufe mit ins Haupthaus nach Frankfurt und hol mir da den Pfand und werde reich!

Dienstag, 22. Mai 2007

Nix da

gesehen in Guarda, Schweiz

Montag, 21. Mai 2007

Ganz klar eventuell Sabotage!

Es kann wohl ganz schön schwer sein, zu seiner Meinung zu stehen, wenn man nicht weiß ob es die richtige, also eine anerkannte, vorzeigbare und allgemeine ist....
Da kann es schon mal passieren, dass man mitten im Satz umkippt, ganz vehement beginnt (1), im Laufe des eigenen Satzes die eigene Unsicherheit bemerkt (2), dann sie mit Heftigkeit im Ton zu überspielen versucht (3) bevor sie sich doch noch mit einem abschwächenden „vielleicht“ zum Ausdruck bringt (4).
So formulierte ein Mitarbeiter des Klinikums Fulda heute im Radio zum Thema der zweiten Salmonellen-Epidemie:
(1)Und ich schließe mich da ganz klar anderen an
(2) die da rumspekulieren, und den Gerüchten die meinen,
(3) da kann doch nur ganz klar Sabotage
(4) eventuell dahinterstecken.

Zu der Grammatik des Satzes muß man eigentlich nix mehr sagen… Wem schließt er sich an? Anderen oder deren Meinung? Und was meinen die Gerüchte so dazu?

Mittwoch, 16. Mai 2007

Die "Walldä"-Geschichte - Kapitel 4: Ende gut, alles gut.

Freitag 16:00

Noch eine halbe Stunde war Zeit bis zu meinem nächsten Termin mit Herrn Walther. Ich hatte ihm nicht den Kopf abgerissen, als er ohne Werkzeug zu mir gekommen war, der arme Mann war ja selbst gebeutelt genug, war aus 50km Entfernung angefahren gekommen, weil mein Vermieter es befohlen hatte und dann auch noch umsonst. Nein, wir hatten uns vor zwei Tagen die Hand gereicht und besiegelt, dass wir noch Freunde sind. Wie schnell man doch Freunde gewinnt...
Noch eine halbe Stunde war also Zeit bis zu meinem nächsten Termin mit Herrn Walther, als mein Handy klingelte und er mir mitteilte, dass er schon vor meiner Haustür stünde. Ich sah in den Spiegel der Umkleidekabine, in der ich gerade Bikinis anprobierte und sah mich selbst den Kopf schütteln.
„Ja, Herr Walther, das dauert jetzt leider noch einen Moment bei mir, aber ich werde pünktlich wie vereinbart um halb fünf da sein, ich beeil mich.“
„Naa kaan Stress, isch wartt hier wie e treue Seel uff Sie. Wollt isch nur sage.“

Eine halbe Stunde später stand ich in meiner Küche und bereitete Tee für Herrn Walther zu. Plötzlich hielt ich irritiert inne und lauschte. Woher kam dieser sonore Ton? Vom Bass in der Wohnung über mir? Oder von der U-Bahn, die unter dem Haus entlang führt?
Als ich zurück ins Arbeitszimmer kam wurde klar: das Brummen kam von unter dem Schreibtisch, von dort, wo Herr Walther lag, der sich gerade zur Seite drehte, um an der Telefondose zu schrauben. Ich bekam die gleiche Assoziation, die eine Freundin neulich in der Schwangerschaftsgymnastik hatte: gestrandete Wale.
Herr Walther schnaufte jedoch mehr wie ein Walross als er sich erhob. Die Jeans, die vom Bauch nach unten gedrückt wurde, entblößte hinten ein pralles, wenn auch nicht knackiges Arschdekolleté in pavianrosé.
Aber ich mag Herrn Walther. Ist ein bodenständiger, netter Kerl und wir sind uns in einem einig: Mein Vermieter ist eine absolute Volleule.
Nach drei Monaten hatte ich also endlich Telefonanschluß in meinem Übergangsdomizil und plauschte mit Walldä beim Tee übers Motorradfahren. Und er erzählte mir von den Dingern, die er mit seinen Töchtern mitgemacht hat, als diese jung waren und wir lachten herzlich. Herr Walther sollte auch ein Blog schreiben...

Sonntag, 13. Mai 2007

Ohne Worte












[Wasistdasdenn-ichkotzimStrahl-blödeBalkanveranstaltung-abgekarteterSchwachsinn-isjalächerlich-brauchmansichgarnichtmehransehen-derGrandPrixwurdevomOstenübernommen-Schmonzshit-ichverstehsnichtichverstehsnichtichverstehsnicht-wiebillig-undfürsowasistDeutschlandGeberland-dasmußaufhören-ichverstehsnicht-alsoechtnet-blödeKuh-nächstesJahrinSerbienisjasuper-ichgehheim]

Samstag, 12. Mai 2007

Die "Walldä"-Geschichte - Kapitel3: Wage - Wäggzeusch - Wäggstatt = alles ein Wortstamm

Mittwoch, 18:10

Es klingelte. Ich nahm den Hörer der Sprechanlage ab.
"Hallo?"
"Walldääää! Hallo!"
Ich drückte auf den Türöffner, der in letzter Zeit leider aber nur funktionierte, wenn er persönlich Lust dazu hatte.

(Übrigens auch ein Versäumnis meines Vermieters: die Türöffneranlage in Ordnung bringen. Aber das ist eine andere Geschichte, quasi ein anderer Zweig dieser Geschichte, der seinen eigenen Eintrag verdient.)
Jedenfalls drückte ich auf den Türöffner und lauschte durch die Sprechanlage, ob er sich bereit erklärte, seinen Dienst zu tun. Ich hörte nix, also fragte ich:
"Geht die Tür auf?"
"Isch weiß net." lautete die Antwort.
Scheint eine echte Leuchte zu sein, der Walldä, dachte ich mir.

Dann endlich stand er vor mir, ein Mann im Alter meines Vaters, im weißen Feinrippshirt, das zu eng saß am stattlichen Bauch und zu kurz war, um die Unterbauchbehaarung vollkommen zu bedecken, mit einem herzlichen, wenn auch partiell zahnlosen Grinsen im Gesicht: "Endlisch!"
Gemeinsam schlichen wir durch den Keller auf der Suche nach der Telefonanschlußdose, wobei Herr Walther immer wieder vor sich hin brabbelte: "Sie reiße mer gleisch de Kopp ab".

Es klang bedeutungsschwanger und ich ahnte... ja was? Schreckliches? Schlimmes? Mittlerweile hatte die Resignation solche Empfindungen in mir abgetötet.

Endlich fanden wir die Dose und endlich war Herr Walther bereit mich aufzuklären, warum ich ihm gleich den Kopf abreißen würde.
"Komme se mal mit ans Auto, komme se mal mit ans Auto…"
"Aber ich hab nur Hausschuhe an."
"Des macht nix, geht ja schnell."
Dann standen wir vor, bzw. hinter seinem Auto und Herr Walther öffnet den Kofferraum und fragt:
"Was sehn S’n da?"
"Nichts."
"Richtig. Nichts."
"???"
"Ei, isch brauch doch Wäggzeusch! Abber der Wage war in de Wäggstatt in de Inschbektion und da ham se mir des Wäggzeusch ausgeräumt um de Ersatzreife uffzupumpe unns net widder reingetan. Habb isch abber eebe erst vor Ihrer Haustür gemerkt. Jetzt kann isch gar nix mache!"

Ein Bekannter von mir kam die Straße lang, sah mich mit offen stehendem Mund in Hausschuhen mit einem reifen Mann vor einem leeren Kofferraum stehen und grüßte mich irritiert. Ich grüßte dünn lächelnd zurück. Herr Walther rief: "Walldä" und schüttelte meinem Bekannten herzlich die Hand.

Mittwoch, 9. Mai 2007

Die "Walldä"-Geschichte - Kapitel 2: Zuverlässisch

Nach dem Anrufbeantworterdialog erreichte ich Herrn Walther dann endlich persönlich.
„Was freu isch misch ihr Stimm zu hören!“ rief er aus.

Wir tauschten uns kurz darüber aus, wie schwierig es ist, sich zu erreichen und offensichtlich auch zu verstehen. Denn Herr Walther hat nicht mitbekommen, dass ich am Wochenende gar nicht da sein würde.
Bei ihm ginge es drunter und drüber, da er selbständig sei und sein Geschäftspartner einen Motorradunfall gehabt hätte und im Krankenhaus läge und er nun alles allein machen müsse und bei der Telekom ginge es ja auch drunter und drüber und die würden ja nun auch noch streiken, wär ja auch ein Saftladen, er hätte ja selbst 30 Jahre dort geschafft und er könnt mir Dinger erzählen....

„Und des mach isch auch“ sagte er dann, „wenn ich am Mittwoch zu Ihne komme, erzähl isch Ihne des mal! Mittwoch geht doch odder?“
Also hatten wir endlich einen Termin, am Mittwoch um 18:30.

Ich hetzte mich also nach der Arbeit ab, um rechtzeitig zu Hause zu sein. Die Hoffnung, endlich Telefonanschluß in meinem Übergangsdomizil zu bekommen, beschleunigte meinen Schritt. Ich bremste auf der Couch, auf der ich dann eine gute halbe Stunde lang in Erwartung saß, bevor ich zum Telefon griff und um kurz nach sieben Herrn Walthers Nummer wählte.
„Walldä.“
„Ja, Herr Walther, wo sind Sie denn?“
„Ei, isch bin im Geschäft, isch komm hier net weg.“
„Ja, Herr Walther, dann hätten Sie mir aber doch wenigstens bescheid geben können, dass es heut nicht klappt, ich hab mich beeilt, rechtzeitig zuhause zu sein und sitze hier und warte auf Sie.“
„Ja, den Rüffel heft isch mir ans Hemd.“
„??“
„Dann mache mer’s halt morsche. Da könnt isch um sechs da sein.“
„Sicher?“
„Ja, ganz sischä! - Unn wenn net, verspresch isch, dass isch anruf.“

Sonntag, 6. Mai 2007

"Wer wird Millionär?" auf russisch

Als Begleiterscheinung der Globalisierung gibt es die Show „Wer wird Millionär?“ nur in einer handvoll Ländern NICHT. Bestimmt in 90% der Länder dieser Erde gibt es die Show im weitgehend gleichen Format. Allerdings läuft die Show nicht überall gleich ab. Alles eine Frage der Mentalität....
(Man beachte besonders den letzten Satz.)











Aus der Ausstellung „Globalisierung“ im Museum für Kommunikation, Frankfurt.

Samstag, 5. Mai 2007

Walldä-Geschichte - Kapitel 1: Anrufbeantworterbekanntschaft


Nach meinem Brief an meinen Vemieter Herr S. erfolgte mehr oder weniger (eher weniger) erfolgreich dieser Informationsaustausch über Anrufbeantworternachrichten:


Sonntag abend
„Hallo, hiär is Walldä. Der Herr S. hat gesachd, isch soll bei Ihne en Telefonanschluß umswitsche. Rufe Se misch doch ma zurück bidde (...).“
Montag morgen
„Ja, hiär nochema Walldä. Isch hab gehörd Sie habbe dem Herrn S. en erboste Brief geschribbe, weil de Anschluß noch nedd gemachd is. Abber isch muß sage, isch hab Sie aach schon 5 mal vergeeblisch versuchd zu erreische! Isch müßde ma vorbeikomme, mer müsse ma en Dermin ausmache.“
Dienstag morgen
„Hallo Herr Walther, der Grund warum Sie mich so schwer erreichen, auch wenn ich Sie bisher nur einmal auf Band hatte, ist, dass mein Telefon häufig in der alten Wohnung weilen muss, um in der Station aufgeladen zu werden. Das ist ja gerade das Problem. Ich habe am Freitag frei und bin zuhause und es wäre toll, wenn Sie dann kommen könnten, denn über das lange Wochenende fahre ich weg.“
Donnerstag morgen
„Hallo Herr Walther, ich wollte mich noch mal erkundigen, ob Sie am Freitag kommen können, weil ich danach erst einmal weg bin. Bitte geben Sie mir kurz bescheid, ob das klappt, andernfalls sollten wir einen Termin für nächste Woche ausmachen.“
Donnerstag abend
„Ja, hiär Walldä. Isch könnt Ihne en Dermin am Samstach um 14 Uhr anbiede.“

???

Freitag, 4. Mai 2007

"Walldä"-Geschichte - Die Einleitung

Vor 3 Monaten wurde ich zwangsumgezogen. Mein Vermieter siedelte mich in eine Ersatzwohnung ein Stockwerk tiefer um, damit meine Wohnung instand gesetzt werden kann, was nach 5 Jahren, 52 Beschwerdebriefen und mehreren zentimeterdicken Rissen in meiner Wohnung auch Zeit wurde.
Die Instandsetzung sollte 3 Monate dauern.

Hinsichtlich der Umstände, die ich damit haben würde, versprach mein Vermieter:
„Sie bekommen unten alles genauso gemacht wie Sie’s oben hatten.“
Das war der erste Witz einer langen Reihe von Witzen, würde ich mich über sie totlachen, bräuchte ich mehr Leben als eine ganze Katzenfamilie.

Um es kurz zu machen und nur die „Best of“ zu erwähnen: Ich habe seit 3 Monaten weder Telefonanschluß noch Duschkabine.

Ohne letztere zu leben ist nicht so problematisch, es gibt schicke Müllsäcke die man mit ebenso schickem Klebeband an den Kacheln, die man nicht aufbohren darf, um wenigstens einen Duschvorhang oder eine Duschkopfhalterung anzubringen, befestigen kann um seinen Badezimmerschrank vorm Aufquellen und Schimmelbefall zu schützen. Aber ohne Telefonanschluß – das ist Körperverletzung.
Zwar reicht mein schnurloses Telefon von der Station oben in der alten Wohnung (in der noch keinerlei Instandsetzung erfolgt ist) bis runter in die neue Wohnung, aber wie komme ich ins Internet? So komfortabel wie Müllsack und Klebeband sind Internetcafés nicht.
Nach fast 3 Monaten also schrieb ich meinem Vermieter (mal wieder) einen Brief, in dem ich ihm Täuschung vorwarf und ankündigte, dass ich die DSL-Kosten von der Miete abziehen würde. Damit begann die „Walldä“-Geschichte.

To be continued….

Mittwoch, 2. Mai 2007

Mit Wucht in die Unzucht

Am vergangenen langen Wochenende hatte ich das Vergnügen im Kloster Kamp in Kamp-Lintfort die Schädeldecke der heiligen Agathe zu begutachten. Nicht, dass ich deshalb dorthin hingepilgert wäre – obwohl sie es verdient hätte, die Gute!
Agathe bedeutet übrigens tatsächlich „die Gute“.
Die heilige Agathe, von der hier die Rede ist, war eine sizilianische Jungfrau aus Catania, die die Brautwerbung des Statthalters Quintianus zurückwies, woraufhin der sie zur Strafe in ein Bordell bringen ließ, auf dass ihre christliche Keuschheit geknackt würde und sie ihn danach als das kleinere Übel empfinden würde – was jedoch nicht der Fall war. Agathe wollte danach immer noch nicht, oder vielleicht auch erst recht nicht seine Frau werden. Das kratzte natürlich am Selbstbewußtsein des Quintianus und ließ ihm keine Ruhe. Da war scheinbar niemand, der ihm riet „Laß gut sein, Junge, du benimmst Dich peinlich“. Aber ist auch nicht verwunderlich, dass so ein Typ keine Freunde hat, die es gut mit ihm meinen, sondern wahrscheinlich höchstens ein paar Buddies, die im Bordell die gute Agatha (hoppla, das war jetzt doppelt gemoppelt) vernascht haben. Jedenfalls war Quintianus so in seiner männlichen Eitelkeit gekränkt, dass er Agathe die Brüste abschnitt!
Er ließ sie noch auf so manch andere Art malträtieren, bevor sie starb und einen Schleier (!) zurückließ, mit dem das Volk von Catania ein Jahr nach ihrem Tod den Lavastrom des frisch ausgebrochenen Ätnas bremste…. Dinger gibt’s! Kein Wunder, dass man die Gute heilig gesprochen hat.Ihre Darstellung durch die katholische Kirche finde ich dennoch ganz schön skurill (aber was will man erwarten!?):