Sonntag, 15. Februar 2009

Nachtrag zu Valentinstag


Und nun zwei romantische Anekdoten aus dem Alltagsleben eines glücklichen Paares.

1)
Man umarmt sich, man küsst sich. Erst sind es kurze, verspielte Küsse, dann etwas längere, leidenschaftlichere, dann sieht man sich lange in die Augen und er sagt: "Welches Tier hat den höchsten Bluthochdruck?"
Gut, die eine wird romantisch, der andere denkt an Giraffen. Kann passieren.
2)
Nach einem üppigen Abendmahl stöhnt sie: "Puh, jetzt fühl ich mich dick."
Am nächsten Morgen beim Aufwachen stellt sie fest: "Puh, wasn Glück fühl ich mich nicht mehr so dick." Worauf er mit hochgezogenen Augenbrauen erstaunt entgegnet: "Echt nicht?"

Montag, 1. Dezember 2008

Krachgarten


Es lohnt hin und wieder doch, die Rückseite von EIntrittskarten zu Konzerten zu lesen - zumindest dann, wenn es noch eine RICHTIGE Konzertkarte ist, so wie früher (als ja bekanntlich alles besser war).

"Achtung:

Diese Eintrittskarte für ein Farin Urlaub Racing Team-Konzert dient Ihrer Legitimation. Legitimation ist für viele Menschen ein Fremdwort. Sie haben Angst gefragt zu werden, was denn das Wort “Legitimation” eigentlich bedeutet und bleiben deshalb am Tag der Konzertveranstaltung zuhause. Das muss nicht sein! Legitimation kommt vom lateinischen Wort “legare” (dt. kühlen) und besagt, dass man diese Eintrittskarte auch als Fächer benutzen kann, wenn es zu heiss wird.
Bitte behalten Sie die Eintrittskarte deshalb bis zum Verlassen des Veranstaltungsgeländes.
Beim Verlassen des Veranstaltungsgeländes verliert die Karte ihre Gültigkeit.
(Man kann sie trotzdem weiterhin als Fächer verwenden - aber Vorsicht: nur bis zu einer Umgebungstemperatur von 49°Celsius.)
Das Mitbringen von Glasbehältern, Dosen, sperrigen Gegenständen (Picknickkörben, größere Taschen etc.), Tieren, Nazis, Tonbandgeräten, Waffen, Film- und Videokameras und/oder pyrotechnischen Gegenständen ist untersagt. (...)
Rockkonzerte sind sehr, sehr laute Veranstaltungen. Bitte schützen Sie sich und ggf. Ihre Kinder durch Tragen eines Ohrenschutzes vor Gehörschäden. Beachten Sie bitte die Hinweise der Ordnungskräfte. Sollten Sie die Hinweise der Ordnungskräfte aufgrund Ihres Ohrenschutzes akustisch nicht verstehen, bitten Sie schriftlich um eine pantomimische Darstellungen der Anordnungen. Zur Entlastung der Umwelt bitte die öffentlichen Verkehrsmittel oder ein StVZo-taugliches Fahrrad benutzen. (...)

Schwarzhändler sind ein eiternder Abszess am Hintern der Menschheit."

Sonntag, 30. November 2008

mal gucken


Beim Konzert, die Hände in den Hosentaschen, finde ich in einer solchen einen Zettel. Er hat keine Bedeutung mehr und ich zerreiße ihn und lasse die Schnipsel auf den Boden rieseln, weil ich weiß, dass dort schon eine Menge Pappbecher liegen, die es zu beseitigen gilt, dass der ganze Saal geputzt werden wird, so dass meine Schnipsel nicht weiter auffallen. Oder doch?

Ich erinnere mich daran, wie auf einem Konzert vor ganz langer Zeit, in einer größeren Halle, mal eine Freundin etwas verlor, das ihr wichtig war. Wir haben gewartet bis fast alle gegangen waren und den Boden der Halle abgesucht. Kleine Geschichten offenbarten sich. Wir fanden Anhänger, Haargummis, abgerissene Karten zuhauf, Zettel mit Telefonnummern, die nicht wie erhofft angerufen werden würden, Königskinder die nicht zusammenfanden, Kaugummis gekaut und ungekaut, Plastikbecher, durchgeschwitzte T-Shirts und Höschen, die nicht auf der Bühne gelandet waren, sondern auf denen nun mehrere Fußabdrücke prangten. Wir fanden nicht, was meine Freundin verloren hatte.
Aber ich erinnere mich daran und bekomme Lust, heute nach dem Konzert etwas länger zu bleiben.

Montag, 10. November 2008

Krack-Plage


Hätte ich eine Top-Ten oder Flop-Ten der schlimmsten Radioreklame-Spots des deutschen Radios, wäre Platz eins so sicher, nein sicherer, wie das Amen in der Kirche. Ich habe solch ein Top-Flop-Ten nicht, weil es eigentlich keine Ten gibt. Radiowerbung ist nie toll - Segmüller und Seitenbacher (ohne jetzt speziell die Bayern anzugreifen... obwohl...) können brutal nerven. Aber unschlagbar und mit Abstand weit weg von den Plätzen 2-10 ist nun mal "Carglass repariert - Carglass tauscht aus."

Dieser Radiospot ist nicht nur aufgrund seiner Länge, dieses ewigen Lamentierens um Krack und Vorher und Später und überhaupt, und des widerlichen Jingles eine Zumutung, sondern besonders wegen des dermaßen laienhaft dargestellten Laientums, der mißlungenen Natürlichkeit und Einfachheit in der Sprache und Betonung - ach, es ist grauenhaft und bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Der Spot hat nur ein Gutes und das auch nur für die Konkurrenz: Er läßt Radioreklame von vergleichbarem Inhalt als extrem pfiffig und humorvoll erscheinen, dass man eigentlich fast nur aufgrund von Carglass zu Volkswagen sagen kann: Chapeau!

"Hallo Stein!"
"Hallo Frontscheibe!"
"Was machst Du denn hier?"
"Ach, ich dachte, ich komm mal auf nen Sprung vorbei."
"Na dann: Schlag ein!"
(Krack)

Sooo einfach kann das sein, Carglass. Und nun räumt bitte das Radiofeld.

Samstag, 20. September 2008

nichts mehr zu retten


Ich war, wie immer, in meine Arbeit vertieft*, als an mein Ohr diffuse Klänge von draußen gelangten, eine Stimme, die von irgendwas verzerrt wurde. Ob es ein Megaphon war oder der Lautsprecher bei einer Telefonkonferenz konnte ich nicht ausmachen. Verstehen, was die Stimme sagte, konnte ich ebenfalls nicht.


Von Neugier und Selbsterhaltungstrieb getrieben, verließ ich das Büro, um der Sache nachzugehen. Wer weiß, vielleicht fuhr die Polizei durch die Straßen und ließ die Anwohner (oder Anarbeiter) wissen, dass irgendein Chemieunternehmen nicht aufgepaßt hatte und nun eine giftige Wolke durch die Stadt waberte und man deshalb die Fenster geschlossen halten sollte. Also ging ich ans Flurfenster und machte es auf und streckte meinen Kopf raus. Ich lauschte, kam der Sache aber nicht näher. Alles blieb unverständlich.

Ich zog den Kopf wieder ein und bemerkte, dass eine mir unbekannte Kollegin hinter mir stand. Sie sah mich verwundert an und fragte, ob ich etwas verloren hätte.
"Nein," antwortete ich, "ich höre Stimmen."
Jetzt sah sie mich nicht mehr verwundert an. Sie sah mich überaus skeptisch an. Ich glaube, eine Spur von Mitleid war auch in diesem Blick.
"Also, ich höre keine Stimmen, wie man das so sagt, sondern da draußen..."
Ich verhaspelte mich, blubberte erklärendes Zeug vor mich hin, aber es war nichts mehr zu retten.

Ich bin wohl auch einfach urlaubsreif. Deshalb mach ich mich jetzt mal auf über den großen Teich. See you soon.


*Chef liest mit ;)

Dienstag, 16. September 2008

Ode an den Odenwald

Heißt das eigentlich wirklich Freitag, der 13. ? Nicht Dienstag, der 16.?
Nicht genug, dass an dem Tag eines wichtigen Termins im Odenwald erst mal der Autoschlüssel verschwindet, als hätte man keine anderen Sorgen. Nicht genug, dass keiner der infrage kommenden Kollegen, inklusive meiner Wenigkeit, was zu seinem Verbleib sagen kann und schließlich nach Suchen und Fluchen der Ersatzschlüssel beschafft werden muss. Nicht genug, dass der Tank mal wieder leer ist. Nein, der Odenwald muss auch noch für Überraschungen sorgen, indem er an einer unbedeutenden Stelle in einem unbedeutenden Kaff eine unbedeutende Baustelle von 4 Quadratmetern aufweist, die allerdings für eine bedeutende Umleitung verantwortlich zeichnet...

Ich folge den Umleitungsschildern, fahre auf engen Landstraßen zwischen Kuhweiden und lande in Groß-Umstadt - wo ich nicht hin will. Dort gibt es nur Schilder, die in die Altstadt führen, in der es voll ist. Es staut sich. Ich werde ungeduldig, finde irgendwie wieder raus und folge einem Schild, das zu dem Ort weist, zu dem ich eigentlich will. Ich lande irgendwo in der Nähe des Ausgangspunkts der ersten Umleitung und werde - umgeleitet. Ich folge nun anderen Umleitungsschildern (es gibt ihrer gar viele) und fahre und fahre und fahre. Inzwischen muss ich ziemlich dringend zur Toilette, so dringend dass mir Tränen in die Augen steigen. Der Ausdruck „Pippi inne Augen“ bekommt eine völlig neue Interpretationsmöglichkeit. Vor mir ein Heuschuber mit 15 kmh.

Nach längerer Fahrt komme ich nach Ober-Ramstadt. Ein weiterer Ort, den zu besuchen ich keine Intention hatte. Wie oft sind mir – neben dem eigentümlichen Modebewusstsein - im Odenwald geschmacklose Konzertplakate zu nichtssagenden Coverbands in die Augen gesprungen, wie sehr wünsche ich mir nun, dass mir einfach mal ein aussagekräftiges Verkehrsschild ins Auge spränge. Vor mir gurkt ein Auto mit „Cecil und Lennart an Bord“.
Ich fahre und fahre. Ich fahre mal wieder zu schnell, es blitzt mir mitten ins Gesicht. Der dritte Knollen mit Firmenwagen innerhalb eines Jahres. Die Laune steigt.
Ich irre weiter durch den Odenwald. The Kooks singen "Do you want to see the world?" und ich muss wider Willen lachen.

Endlich im Ort meiner Träume, äh meines Termins, bis zu dem es inzwischen nur noch 10 Minuten sind, stehe ich erst mal.
Die Umleiterei sorgt in jedem Kaff im Umkreis für Rückstau, so auch hier. Die obligatorische eine Durchgangsstraße des Ortes ist verstopft. Auf dem Bürgersteig parkt ein grellgelbes Reimo-Mobil leider nur halb. Die andere Hälfte blockiert den Durchgangsverkehr. Hier verbringe ich die letzten 9 Minuten bis zu meinem Termin. Dann endlich bin ich da, schließe auf, sprinte zur Toilette, wo ich die letzte Minute verbringe. Komme raus, packe meine Unterlagen aus... 4, 3, 2, 1 – Guten Tag, willkommen. Small Talk, bei dem ich erfahre, dass mein Termin die gleichen Probleme hatte. Naja, wahrscheinlich so ähnliche, über das dringende Bedürfnis haben wir nun nicht geplaudert.

Samstag, 13. September 2008

I like American Music


Apropos New York... Ich habe den Auftrag, für eine dort lebende Bekannte meines Freundes, der ich selbst noch nie begegnet bin, ein bisschen Musik mitzubringen. "Einfach, was wir gerade hier so hören." lautet die einzige Spezifizierung, womit aber nicht gleichsam hohles Radiogedudel gemeint war.

Etwas ratlos stand ich vor meinem CD-Regal. Arctic Monekys? Kann ja nicht sein, dass sie die nicht kennt. The Kooks? Muss sie schon mal gehört haben. Aber vielleicht irrt man da auch. Jemand, der vielleicht kein Internetradio hört, sondern nur amerikanische Radiosender, an dem kann schon so einiges vorbei gehen. Und einiges läuft ja in den USA auch gar nicht (gut).
Robbie Williams etwa hat ja in den USA auch keinen Erfolg, was man in Europa kaum glauben kann.

Dagegen ist für mich Musik von "Feist" gänzlich unamerikanischer und wurde als Mitbringsel in Betracht gezogen. Leslie Feist kommt aus Kanada, was nicht unbedingt ein Grund sein muss, warum sie in den USA beliebt sein sollte. Aber sie hat große Konzerte in New York gegeben, was sicher nicht zuletzt an der iPod-Werbung lag, also kann ich "Feist" zu Hause lassen.

Ich habe dann mal spaßeshalber in AFN reingehört. Das ist nun kein Maßstab, denn da läuft ja "America's Best" für die armen Amerikaner, die in Europa leben und nur europäische Musik zu hören bekommen...
Since 1943, the American Forces Network Europe has been providing American service members, families and Defense Department civilian employees stationed in Europe with the best of American radio and television services.


"America's Best" heißt: Bruce Springsteen, Kid Rock, Jennifer Lopez und Toto.
Nicht Clap Your Hands Say Yeah, Kings of Leon, Queens of the Stone Age, The Strokes oder Violent Femmes.
Die armen Amerikaner, die in Europa leben und keine gescheite amerikanische Musik zu hören bekommen, außer von den europäischen Sendern...

Habe jetzt erstmal Nouvelle Vague als Musikmitbringsel ausgewählt.

Mittwoch, 10. September 2008

Spuk


Ach herrje, da komm ich mit so Pipifaxproblemchen wie "unbeliebt im Pub" daher, während sich bei meinen Lesern unerfüllte Wünsche und beendete Beziehungen finden.

Und wie das so ist, wenn man sich unter Druck fühlt, nun zur Aufmunterung was Erheiterndes aus dem Ärmel ziehen zu müssen, fällt einem rein gar nichts ein.

Meistens bin ich ja auch eher unfreiwillig komisch. Wenn ich mich zum Beispiel verspreche und Bronce (mit französischem Akzent natürlich) zur Bronx sage. Oder auch mit meinem letzten Blogeintrag, in dem ich tatsächlich schrieb: "Ich muss befürchten, dass man mir ins Essen spukt."

Außer meinem pingeligen Kollegen (Sorgfalt im Job ist wichtig, also ist das ein Kompliment!) hat das wohl keiner gemerkt. Er aber fragte mich, wie er sich das vorstellen solle... Hokuspokus in der Suppe, Abrakadabra in der Nachspeise?
Entweder hat er sich nicht getraut, das hier zu kommentieren oder er wollte mich nicht bloßstellen. Hm, nein, letzteres kommt nicht in Frage.
Naja, sei's drum.

Apropos Spuk. Ist Euch schon mal aufgefallen, dass Leonard Nimoy und Leonard Cohen sich verdammt ähnlich sehen? Das geht doch nicht mit rechten Dingen zu!

Sonntag, 7. September 2008

Faux pas


Meine Freundin T. ist treue Teilnehmerin an einem bunten Brit-Pop-Musikabend im Frankfurter Nachtleben (den Club müßt ihr jetzt raten) jeden ersten Samstag im Monat. Und jedes Mal wünscht sie sich ein Lied. Sie wünscht sich jedes Mal das gleiche Lied: "
Three lions".
Das vorletzte Mal, als sie es sich wünschen wollte, winkte der DJ nur noch ab und sagte sowas wie "Ich weiß schon, ich weiß schon..." Beim letzten Mal lief T. nur noch beim DJ vorbei und rief ihm zu "Ich bin dann jetzt da." Und sie ist sehr stolz auf diesen gewonnen Status.


Das letzte (und einzige) Mal, als ich mir genau dasselbe Lied wünschte, geschah das, weil T. Geburtstag hatte und ich ihr eine Freude machen wollte. Allerdings vergaß ich völlig den Kontext, in dem ich mich gerade befand. Oder besser: Ich vergaß leider für einen Moment, in welchem Laden ich mich befand...
Kaum hatte ich den Wunsch beim Wirt geäußert, wurde ich mit den harsch dargebrachten Worten "We're an Irish Pub, not a British Pub!" stehen gelassen. Und ich bin nicht stolz auf den gewonnen Status. Denn er ist schlechter als vorher, verständlicherweise. Mea culpa.

Ich muss befürchten, dass man mir seitdem ins Essen spukt (und esse seitdem nichts mehr im Pub und über die Getränke will ich gar nicht nachdenken). Ich hätte es wieder gut machen sollen und "Ohne England fahren wir zur EM"-singend durchs Pub laufen sollen, aber die Chance hab ich verpaßt und außerdem war Irland ja auch nicht dabei. Bleibt mir nur, demnächst mit meinem "Native Irish"-Touri-T-Shirt aufzulaufen, was anderes fällt mir nicht ein.


Für weitere Tipps dankbar wünscht Euch einen guten Wochenstart:
Penjelly

Montag, 25. August 2008

dazu fällt mir kein Titel ein


Es wurde eine Hitliste der anderen Art veröffentlicht. Eine Liste mit Songs, die bevorzugt in Abu Ghraib und Guantanamo von den amerikanischen Militaristen beim Foltern gehört wurden.

Natürlich ist viel Prügelmusik dabei, nahezu Naheliegendes wie "Enter Sandman" von Metallica.
Es sind Lieder dabei, die an sich schon grausamen Inhalts sind, wie Eminems "Kim", bei dessen Zeile "Bleed Bitch bleed" mir immer etwas mulmig im Magen wird.

Aber es sind vor allem Lieder dabei, die in diesem Kontext eine solche Portion Zynismus transportieren, dass es Amerikaner, die fähig sind, zu foltern, nochmal menschlich herabsetzte, falls das möglich wäre, dass sie es zu dieser Musik tun:
Bee Gees - Staying Alive
Bruce Springsteen - Born in the USA
Don McLean - American Pie
Theme of Sesame Street

Obwohl ich bei letzterem Lied den Interpreten nicht kenne, dachte ich, es muss allen Interpreten sicher furchtbar unangenehm sein, dass ihr Werk so mißbraucht wird.
Zumindest bei James Hetfield, dem Frontmann von Metallica, hab ich mich da schon mal geirrt.
Er reagierte erfreut, als er davon hörte und meinte, das sei der Beitrag der Band im Kampf gegen den Terror.
Nun gut, man weiß ja, dass James Hetfield sie nicht mehr alle beieinander hat...

Hier ist die vollständige Liste.